Generationswechsel an den Parteispitzen


Pedro Sánchez (46) von der PSOE (o.l.), Pablo Casado (37) von der PP (o.r.), Albert Rivera (38) von Ciudadanos (u.l.) und Pablo Iglesias (39) von Podemos (u.r.). Fotos: EFE

Experten erklären den Wandel

Madrid – Der neue Parteivorsitzende der PP, Pablo Casado (37), hat den Generationswechsel an der Spitze der wichtigsten Parteien des Landes perfekt gemacht. Die PSOE wird von Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez (46) angeführt, während Albert Rivera (38) die Ciudadanos-Partei und Pablo Iglesias (39) die Podemos-Partei sogar selbst gegründet haben. Das Nachrücken der jüngeren Generation auf die politische Bühne der Landespolitik kann nicht mehr bestritten werden. Es wird sogar von einem ganz neuen Zyklus gesprochen, mit einer Politik, die weniger auf der Ablehnung der politischen Gegner als vielmehr auf dem Dialog basiert. Zu diesem Thema wurden von der Zeitung El País mehrere Experten befragt.

Der Historiker und Soziologe Santos Juliá ist der Meinung, dass der Generationswechsel in der spanischen Demokratie üblich ist und kein neues Phänomen darstellt. Als Beispiele nennt Juliá den ersten Ministerpräsidenten der demokratischen Geschichte Spaniens, Adolfo Suárez, der mit 43 Jahren die große Herausforderung annahm, das Land durch den Übergang in die Demokratie zu führen. Felipe González war 40 Jahre alt, als er zum Präsidenten gewählt wurde, José María Aznar 43, José Luis Rodríguez Zapatero 43. Praktisch allen sagt Juliá nach, sich nach Amtsantritt extrem von den Vorgängern und somit der vorigen Generation distanziert zu haben. Dies begründet der Experte damit, dass praktisch alle spanischen Regierungen schlecht abgeschlossen hätten.

Der politische Berater Antonio Gutiérrez-Rubí führte weiter aus, die erfahrenen Politiker würden Sicherheit vermitteln und hervorsehbare Szenarien zeichnen. Doch in ungewissen Zeiten sei die Fähigkeit, Herausforderungen anzunehmen und innovative Lösungen zu schaffen, so wie es jüngeren Personen nachgesagt wird, weitaus gefragter. Anders als früher werde es in Zukunft jedoch keine absoluten Mehrheiten geben und die jungen Parteiführer der vier wichtigsten politischen Gruppen zum Dialog und zur Verständigung gezwungen sein.

Felipe Alcaraz, Leiter der kommunistischen Partei Andalusiens, erklärte, das Problem der jungen Politiker sei, sich zu sehr nach dem Markt zu richten. Die jungen Parteiführer würden ständig den Wandel proklamieren und große Ankündigungen wie Leuchtpatronen abfeuern, doch mangele es am Projekt und an der Organisation dahinter. Es ginge nicht mehr um die Überzeugung, sondern um die Verführung der Bürger.

Die Philosophin Adela Cortina sieht den Generationswechsel positiv, vorausgesetzt, die Parteien würden weiterhin auf Personen mit viel Erfahrung zurückgreifen können. Die Fähigkeit zum Dialog und zur Einigung der jungen Politiker könne viele Probleme, wie beispielsweise die hohe Arbeitslosigkeit, endlich lösen, und zwar ganz ohne Verfassungsänderung.

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