Geldwäsche in chinesischer Bank


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Die zweitgrößte Bank der Welt soll kriminellen Organisationen geholfen haben, ihre illegalen Einnahmen außer Landes zu schaffen

Nachdem im Rahmen der Polizeioperation „Sombra“ im vergangenen Februar sechs Direktoren der Industrial and Comercial Bank of China (ICBC) wegen des Verdachts der Geldwäsche festgenommen wurden, sind nun Untersuchungsergebnisse der Staatsanwaltschaft zu dem Fall öffentlich geworden.

In einem Schriftstück des Untersuchungsgerichts No. 2 des Nationalen Gerichtshofes (Audiencia Nacional), das diesen Fall bearbeitet, wird dargelegt, was die Staatsanwaltschaft über die Vorgänge in den Filialen der ICBC in Madrid und Barcelona ermittelt hat. 

Laut Staatsanwaltschaft sollen die spanischen Ableger der „Industrial and Comercial Bank of China“, die nach Börsennotierung mit 150.000 Kunden die zweitgrößte der Welt ist, ihre Tätigkeit ganz darauf ausgerichtet haben, als Geldwäschekanal für die Einnahmen aus den Geschäften verschiedener krimineller chinesischer Organisationen zu dienen. In den Jahren seit der Eröffnung in 2011 bis 2014 sollen sie „massive Überweisungen von Bargeld“ begünstigt und auf diese Weise nahezu 90 Millionen Euro nach China verschoben haben. Von Anfang an sei in großem Umfang Bargeld von den chinesischen Landsleuten angenommen worden, welche dieses persönlich in Rucksäcken, Taschen und Kartons in die Filialen brachten. Das wurde dann ohne weitere Prüfung auf die entsprechenden Privat- und Geschäftskonten gutgeschrieben und in kürzester Frist nach China überwiesen, womit die „Waschung“ des Kapitals abgeschlossen war. 

Doch die Rolle der verhafteten Führungskräfte der ICBC soll sich darauf nicht beschränkt haben. Laut Darstellung der Staatsanwaltschaft sollen sie auch aktiv daran mitgewirkt haben, die massiven Einzahlungen zu verschleiern. Zu diesem Zweck stückelten sie die eingehenden Summen in Teilbeträge unter 50.000 Euro und verteilten die Einzahlung so auf die verschiedenen Geschäftskonten, die zu den jeweiligen kriminellen Vereinigungen gehörten, damit vermieden wurde, die Aufmerksamkeit der Behörden zu erregen. Die verschiedenen Banden, die ihre Bargeldeinnahmen über die ICBC nach China verschoben haben, erzielten die Gelder durch zahlreiche illegale Aktivitäten, wie den Schmuggel zollbelegter Waren und Schwarzhandel. 

Auch wenn es sich bei den 90 Millionen Euro gewaschener Gelder nur um einen geringfügigen Bruchteil der Guthaben von insgesamt 3,6 Billionen Dollar handelt, welche die chinesische Bank verwaltet, ist man bei der ICBC besorgt, dass der Skandal das Wachstum und die Reputation des Geldhauses in Europa beschädigen könnte. Chen Fei, Präsident der ICBC Europa mit Sitz in Luxemburg, erklärte in einer Stellungnahme zu den Vorwürfen, seine Bank halte sich strengstens an die Gesetzgebung und verbessere stetig ihre Maßnahmen gegen Geldwäsche. Des Weiteren verwies er darauf, dass die Ermittlung noch nicht abgeschlossen und ein Urteil noch nicht gesprochen sei. Deshalb dürfe man nicht von einer Schuld der Industrial and Comercial Bank of China sprechen. 

Für den Fall, dass die ICBC schuldig gesprochen wird, die internationalen Geldwäsche-Bestimmungen nicht erfüllt zu haben, würde ein Bußgeld verhängt werden und möglicher-­

weise sogar die Banklizenz des chinesischen Finanzinstituts betroffen sein. 

Die sechs verhafteten Direktoren sind nach Zahlung einer Kaution von je 100.000 Euro mittlerweile wieder auf freiem Fuß, da das Gericht keine Fluchtgefahr sieht. Keiner von ihnen hat bisher einen Kommentar zu dem Geschehen abgegeben. 




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