Geizhals, Multimillionär und Menschenschinder


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Wegen Steuerhinterziehung und Ausbeutung zu sieben Jahren Haft verurteilt

Den „Piraten-Hotelier“ oder auch „Mister Schuldschein“ nannte man ihn auf Ibiza, weil er gern mit Wechseln bezahlte. Mit dieser selbstgeschriebenen Währung und zum Schluss 200 Millionen Krediten von der Banco Popular baute Fernando Ferré Cardo in schwindelerregendem Tempo ein Imperium auf, das auf der Party-Insel ein Viertel des touristischen Angebots ausmacht.

Palma de Mallorca – Er besitzt 40 Hotels und Apartmenthäuser des unteren Preissegments auf Ibiza, im Ganzen 72 Etablissements mit 20.000 Betten auf den gesamten Balearen. Seine Gäste sind partyhungrige Urlauber der Ballermann-Kategorie.

Doch obwohl er in seiner Hotelkette Millionen umsetzte, gab er kaum Geld aus und lebte nicht im Luxus. Zum Essen ging er nur in seine eigenen Hotels, und das Innere seines Chalets gleicht eher einem „Elendsquartier“, wie sich einer der Ermittler ausdrückte, als der Behausung eines Multimillionärs. In anachronistischer Weise altmodisch bezahlte er stets bar und schrieb auf einer alten Schreibmaschine statt am Computer.

Nun muss Ferré ins Gefängnis. Er wurde wegen fortgesetzten Steuerbetrugs und Verletzung der Arbeitnehmerrechte seiner vornehmlich ausländischen Hotelangestellten verurteilt. Im Verfahren, in dem Gewerkschaften, die Balearenregierung, der spanische Staat und die Antikorruptionsstaatsanwaltschaft als Kläger auftraten, wurden ihm 14 Steuervergehen und fünf arbeitsrechtliche Delikte zur Last gelegt. 81 Jahre Gefängnis und 18 Millionen Euro Geldstrafe hatte die Staatsanwaltschaft gefordert. Am Ende wurden es sieben Jahre, elf Millionen Euro Geldbuße und weitere elf Millionen Euro Entschädigung an die Staatskasse. Auch der Steuerberater des Hoteliers wurde verurteilt – zu 14 Monaten Haft und ebenfalls elf Millionen Euro Geldstrafe. Für alle diese Geldstrafen muss bei Zahlungsunfähigkeit der Verurteilten auch das Hotelunternehmen Ferrés, die „Grupo Playa Sol“, einstehen.

Fernando Ferré Cardo zahlte grundsätzlich keine Steuern. Er kaufte heruntergekommene Hotels auf und richtete sie mit unterbezahlten Schwarzarbeitern, die meist aus Osteuropa stammten, her. Nie führte er bei diesen Käufen die Grunderwerbssteuer ab. Ein Geflecht von 300 Firmen diente dazu, seine Einnahmen zu verschleiern. In einem Schuppen auf seinem Grundstück waren drei chinesische Mitarbeiter damit beschäftigt, falsche Rechnungen zu schreiben und die Buchführung zu verschleiern. In allen Hotels gab es eine Mappe mit den echten Geschäftsvorgängen und eine mit den fingierten.

30 Ermittlungsbeamte brauchten Monate, um sich durch das Gewirr aus Zahlen und Bilanzen zu arbeiten.

Besonders übel hat der 69-jährige Ferré seinen Hotelangestellten mitgespielt. 477 ließ er im Laufe der Zeit in Osteuropa anwerben, viele davon stammen aus Tschechien. Aber auch vielen seiner übrigen Mitarbeiter, darunter auch seinen drei chinesischen „Buchhaltern“, gab er Arbeitsverträge in Tschechisch, die sie überhaupt nicht lesen konnten. Einmal auf den Balearen, wurden die Hotelangestellten unter menschenunwürdigen Wohnbedingungen in Kellern und ähnlich ungeeigneten Räumen zusammengepfercht. Für ihre Arbeit in Doppelschichten und ohne freie Tage bekamen sie nur 300 Euro monatlich ausbezahlt.

In seinem Chalet lebten drei Frauen als „Hausangestellte“, mit denen er skurrile Privatverträge abgeschlossen hatte. „Übereinkünfte der Freundschaft und der Liebe zwischen beiden Vertragspartnern“, wie in der Gerichtsakte steht, in denen Sätze stehen wie: „… muss sehr lieb sein und ein bisschen eifersüchtig und totale Freiheit lassen“. Eine der Frauen hatte einen „lebenslangen Vertrag“ geschlossen, eine andere sollte ein Grundstück oder Haus in ihrer Heimat erhalten. In einem „Vertrag über Glück und rechtliche Zukunft“ steht: „Sie hat die perfekten Fähigkeiten, um Fernando in jeder Hinsicht glücklich zu machen“. Darin verpflichtet sich der Hotelier, der Frau ein Hotel zu geben, das sie ihm dann wieder vermieten kann. Eventuell aus der Verbindung hervorgehende Kinder würden ebenfalls ein Hotel erhalten.

Die Löhne dieser Mitarbeiterinnen, denen auch Urlaub, Auto und Reisen zugestanden wurden, waren fast zehnmal höher als die der ausländischen Hotelangestellten, die Doppelschichten arbeiten und ohne freie Tage auskommen mussten. Die 477 so ausgebeuteten Arbeitskräfte erhalten nicht einmal eine Entschädigung, weil sie, möglicherweise wegen der Sprachbarriere, nicht individuell Anzeige erstattet haben.




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