Gegen den allgemeinen Trend


Die indische Regierung erkärte Delfine zu nicht-menschlichen Personen mit Recht auf Leben und Freiheit. Foto: EFE

Während europa- und weltweit Delfin-Shows verboten werden, wird in Spanien sogar ein neues Delfinarium eröffnet

Madrid/Lanzarote – In Europa gibt es insgesamt 30 Delfinarien mit 275 Tieren. Die allgemeine Tendenz geht dahin, die Ausstellung von Meeressäugern zum Zwecke der Vermarktung zu unterbinden. Entgegen diesem Trend wird der spanische Vergnügungspark Rancho Texas auf Lanzarote bald eine neue Show mit acht Delfinen zu seinen Attraktionen zählen.

Im Rest des Kontinents kündigt sich dagegen schon seit Langem eine Ächtung an. Die Gesetzeslage in Großbritannien führte schon vor zwei Jahrzehnten zum Verschwinden der Delfinarien. 2015 wurde Finnlands einzige Delfin-Show geschlossen, und Polen stoppte den Bau seines ersten Delfinariums noch vor der Fertigstellung. In Italien musste eine der vier dort vorhandenen Anlagen geschlossen werden, nachdem die Gesetze verschärft wurden, und auch in Deutschland sind wegen strengerer Gesetze nur zwei übrig geblieben. In Island und Norwegen ist es kaum noch möglich, ein Delfinarium zu eröffnen, und die Schweiz verbot 2012 die kommerzielle Nutzung von Delfinen, nachdem zwei Tiere an einer Vergiftung starben.

Auch außerhalb Europas, in Costa Rica, Chile, Uruguay, einem Großteil Australiens und einigen Staaten der USA wurden Delfin-Shows verboten. 2013 erklärte die indische Regierung sogar, dass Delfine als nicht-menschliche Personen anzusehen seien und somit ein eigenes Recht auf Leben und Freiheit haben.

Besuchermagnet

In Tias auf Lanzarote baut der Rancho Texas-Park derzeit drei gigantische Becken für acht Delfine und plant dadurch, seine Besucherzahlen von jährlich 200.000 um 15% zu erhöhen.

Vor gut einem Monat haben rund Hundert Aktivisten vor den Toren des Parks demonstriert, und in der ganzen Welt protestieren Tierschutzorganisationen gegen das neue „Delfingefängnis“ auf der Insel, die gleichzeitig wegen ihrer guten Balance zwischen Mensch und Natur den Ehrentitel „Biosphärenreservat“ trägt. Die Tierschützer finden es widersinnig, auf den Kanaren Meeressäuger in Gefangenschaft zu halten, da es dort doch leicht sei, Delfine in Freiheit zu beobachten.

Der Park selbst rühmt sich der einzigartig guten Bedingungen, welche die sieben Millionen Euro teuren Becken den acht Delfinen bieten werden. Diese werden in gereinigtem Meerwasser schwimmen. Der Platz in den Becken reiche für 18 bis 20 Tiere aus, versichert Nicolás López, der Eigentümer des Rancho Texas.

Was Delfinarien angeht, so ist Spanien Spitzenreiter in Europa. Zusammen mit der neuen Anlage auf Lanzarote sind es zwölf, in denen insgesamt 92 Meeressäuger leben. Alle restlichen Länder Europas bringen noch einmal 19 Delfinarien mit weiteren 183 Delfinen zusammen.

Zeitgleich damit, dass in den letzten Jahren aus ethischen Erwägungen heraus die Haltung von Delfinen und Walen in Gefangenschaft immer mehr eingeschränkt wird, findet auch ein Umdenken bezüglich der Haltungsbedingungen und der Behandlung statt. Während die Delfine vor Jahren noch nach der Methode „Zuckerbrot und Peitsche“ dressiert wurden, basieren die modernen Trainingsmethoden darauf, die natürlichen Verhaltensweisen der Tiere zu verstärken.

In Spanien gibt es zwei Arten von Delfinhaltung, die zoologische, die einen Schutz-, Zucht- oder Wissenschaftsauftrag hat, und die zu kommerziellen Zwecken, die der Unterhaltung dient. Eigentlich ist „die öffentliche Zurschaustellung von Tieren“ nach dem Gesetz verboten und nur „in begründeter Ausnahme zu Bildungs-, Forschungs- oder Zuchtzwecken“ statthaft. Tierschutzorganisationen wie die Fundación para el Asesoramiento y Acción en Defensa de los Animales (FAADA) kritisieren, dass diese Vorschrift meist nicht eingehalten werde.

Über die Hälfte in spanischer Hand

Sieben der spanischen Delfinarien gehören zu zwei multinationalen Konzernen. „Parques Reunidos“ wird an der Börse gehandelt und verzeichnete in 2015 rund 605 Millionen Euro an Umsatz. Dazu gehören der Zoo in Madrid mit 11 Delfinen, Aquópolis in Tarragona (8) und Selwo in Málaga (6), der „Parque de Atracciones“ und der Parque Warner in Madrid sowie Marineland Antibes in Frankreich mit elf Delfinen und vier Orcas. Mit weiteren Parks in den USA und Mexiko zusammen besitzt der Konzern 96 Delfine und sechs Orcas weltweit. Der andere Großkonzern ist „Aspro Ocio“, zu dem Aqualand auf Teneriffa mit elf Delfinen, Marineland Barcelona und Mallorca (6 und 7) und der Palmitos Park in Las Palmas (5) gehören. Hinzu kommen Boudewijn Seapark (9) in Belgien und Harderwijk in Holland. Letzteres ist das größte Delfinarium des Kontinents mit 36 Delfinen und 6 Schweinswalen. Spanische Konzerne kontrollieren demnach mehr als die Hälfte des europäischen Delfinbestandes, nämlich 156 von 275.





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