Gefängnis für Neonazi-Buchhändler


Er stand bereits zum zweiten Mal vor Gericht

„Liberia Europa“ heißt die Buchhandlung in Barcelona, über die der Inhaber Pedro Varela Schriften rassistischer und nationalsozialistischer Ideologie vertrieb, die er ganz offensichtlich größtenteils im Selbstverlag druckte.

Barcelona – Denn als er nun vor Gericht stand, wo er als schlichter Buchhändler aufzutreten versuchte, sagte er zu seiner Verteidigung: „Ich kann nicht jedes Buch lesen, das ich herausgebe.“

Ein recht lahmes Argument, denn in der Bücherei wurden eine Hitlerbüste, ein Hakenkreuz und zahlreiche andere Nazi-Insignien und Poster konfisziert. In der Urteilsbegründung heißt es klar, dass die von Varela vertriebenen Bücher „die Juden für alles Übel in der Welt verantwortlich machen,  Farbige als Untermenschen bezeichnen, eine strenge Rassentrennung fordern, weil ihre Vermischung den Untergang der Zivilisation bedeutet, und dass Frauen nicht die gleichen Rechte wie Männer haben dürfen“. Bücher also, die hochgradig rassistische Ideologien vertreten und Juden sowie andere Minderheiten als minderwertig abstempeln.

Richterin Estela Pérez Fran­co verurteilte den Angeklagten wegen Verbreitung von Völkermord-Ideologien zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis und zu weiteren 18 Monaten für einen Verstoß gegen die Grundrechte und die in der Verfassung festgelegten Rechte der öffentlichen Freiheit. Der Angeklagte kann gegen das Urteil in Berufung gehen, doch die Richterin hat bereits angeordnet, dass mit Ausnahme der persönlichen Habe des Angeklagten sämtliche konfiszierten Gegenstände vernichtet werden, sobald das Urteil bestätigt ist.

Ein alter Neonazi

Pedro Varela ist schon lange für seine Nazi-Gefolgschaft bekannt. 1966 wurde in Barcelona die Nazi-Vereinigung Cedade gegründet, deren Präsidentschaft Varela im Jahr 1978 übernahm. Der Verein wurde 1993 aufgelöst.

Nach der Strafrechtsreform 1996 stand Varela erstmals wegen rassistischer Umtriebe vor Gericht und wurde zu insgesamt fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Er ging damals durch sämtliche Instanzen und konnte eine Senkung des Strafmaßes auf sieben Monate erreichen.




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