Fuerzas Armadas in Gefahr


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Von innen bedroht

Die Fuerzas Armadas – Spaniens Streitkräfte – kämpfen ums Überleben. Ein riesiger Schuldenberg und hohe Personalkosten erdrücken das Militär.

Madrid – Experten meinen, aufgrund des erzwungenen Material- und Personalabbaues sowie des Trainingsmangels seien die Streitkräfte nicht zu halten und fürchten um die Sicherheit des Landes.

Geldsorgen

Wie stark die derzeitige Geldnot der Streitkräfte ist, beweist eine ganze Reihe drastischer Maßnahmen, darunter das Vorhaben, den einzigen Flugzeugträger der spanischen Marine nach nur 25 Jahren Dienstzeit zu verschrotten, weil die Betriebskosten des „Príncipe de Asturias“ zu hoch sind. Das Versorgungsschiff „Cantabria“ hat man, inklusive Besatzung, für ein Jahr an Australien ausgeliehen, um Kosten zu sparen. Das Heer hat die Hälfte der Panzer außer Betrieb gesetzt und auf diese Weise den Benzinverbrauch erheblich eingeschränkt. Die Luftwaffe wiederum behält fast ein Drittel ihrer Piloten am Boden, weil kein Geld für Extra-Flugstunden zur Verfügung steht.

Milliardenschulden zwingen zu Materialabbau

Im vergangenen Jahr betrug der Etat der Streitkräfte 9,066 Milliarden Euro. Das war zwar relativ wenig Geld, aber gemessen am Anteil des Bruttoinlandsprodukts (BIP) immer noch doppelt so viel wie der entsprechende Posten Luxemburgs, des EU-Landes, das am wenigsten für das Militär ausgibt.

Das eigentliche finanzielle Problem der „Fuerzas Armadas“ besteht jedoch in einem riesigen Schuldenberg. Als in Spanien die Wirtschaft noch boomte und alle Indikatoren nach oben zeigten, wurden gewaltige Kredite für neue Maschinen und Waffen aufgenommen. Dabei entsprachen die Einkäufe oft gar nicht den tatsächlichen Bedürfnissen sondern vielmehr den Interessen der Industrie. Heute schuldet das Militär rund 32 Milliarden Euro und kämpft mit der Rückzahlung. Im Rahmen des Möglichen versucht man auch, die neuen Bestände wieder zu Geld zu machen.

Von 235 vor Kurzem in Deutschland eingekauften Leopard-Kampfpanzern stehen 100 wieder zum Verkauf. Der Einkauf von Infanterie-Panzerfahrzeugen des Typs Ascod wurde auf 73 heruntergefahren, was wiederum die Operationsfähigkeit der Leopard-Panzerdivisionen einschränkt. Auch der Auftrag für 45 europäische Transporthubschrauber NH-90 wurde um 23 Einheiten gekürzt. Dabei handelt es sich um tatsächlich erforderliche Maschinen, die bei den spanischen Auslandseinsätzen gebraucht werden. Ein Experte erklärte, man hätte bei den Hubschraubern halt eher den Rotstift ansetzen können als bei erfüllten oder an internationale Verträge gekoppelten Bestellungen. Doch die 22 Hubschrauber werden schlussendlich mehr kosten als die 45, weil das vom Militär in Albacete geplante Werk zur Vervollständigung der unfertig gelieferten Hubschrauber nicht mehr gebaut werden wird.

Hohe Kosten führten zu Personalabbau

Neben den horrenden Kreditverpflichtungen schlagen die enormen Personalkosten mit 75% des Etats zu Buche, und das, obwohl seit 2010 rund 7.500 Soldaten entlassen wurden. Dabei verläuft der Abbau hoher Posten nicht ganz so schnell, erst 2017, sprich mit zweijähriger Verspätung, soll der angepeilte Stab an Generälen auf 200 und an höheren Offizieren auf 1.050 erreicht sein. Ende dieses Jahres sollen die „Fuerzas Armadas“ eine Stärke von 75.000 Mann haben – 5.000 weniger als gesetzlich vorgesehen.

Keine Mittel für das erforderliche Training

Neben dem Material- und Personalabbau stellt auch der Trainingsmangel ein enormes Problem dar und gefährdet die Einsatzbereitschaft und Leistung der Streitkräfte und die Verteidigungsfähigkeit Spaniens im Ernstfall.

Das Heer hat seine jährlichen Übungen um die Hälfte reduziert, die Luftwaffe die Flugübungsstunden auf nur noch 60.000 beschränkt – erforderlich wären 85.000. Die Marine wiederum hat die Anzahl der Tage auf See um ein Viertel reduziert.

„Die Streitkräfte laufen Gefahr, eine schwache und ausgehöhlte Institution zu werden,“ fasste Admiral García Sánchez die allgemeine Besorgnis vor Kurzem zusammen.

Internationale Einsätze werden eingeschränkt

Ausgenommen wurden bisher nur bestimmte internationale Einsatztruppen, die zu Hause intensiv vorbereitet und entsprechend ausgestattet werden. Dies ist nur möglich, weil das Verteidigungsministerium (noch) über einen flexiblen und erweiterbaren Kredit verfügt.

Insgesamt wurden aber auch die internationalen Einsätze beschnitten. Im Libanon wurden von den dort stationierten 1.100 Soldaten 542 abgezogen, in Afghanistan wird die Truppe im kommenden Jahr bis auf 200 oder 300 Soldaten reduziert.




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