Franco weiter Ehrenbürger Alicantes


Ein Antrag der PSOE wurde mit den Stimmen der Konservativen abgelehnt

Die Aufarbeitung dunkler Kapitel in der eigenen Geschichte ist in Spanien weiterhin eine komplizierte Angelegenheit. Das beste Beispiel dafür sind die Versuche progressiver politischer oder gesellschaftlicher Gruppen, die symbolischen Überbleibsel von Diktator Francisco Franco aus dem Stadtbild und den Stadtarchiven zu entfernen.

Alicante – Alle Bestrebungen in diese Richtung werden nämlich immer wieder von konservativen Gruppierungen boykottiert. So ist es Anfang Juli erneut in Alicante geschehen. Die im Regionalparlament vertretenen Sozialdemokraten hatten einen Antrag gestellt, um dem 1975 verstorbenen Generalísimo endlich den Titel des Ehrenbürgers der Provinz Alicante abzuerkennen und andere Ehrenbekundungen wie Denkmäler und Plaketten aus dem Stadtbild zu entfernen. Der Antrag wurde jedoch mit den Stimmen der in Alicante regierenden konservativen Volkspartei (PP) abgelehnt. Bereits vor mehreren Monaten hatte Bürgermeister Luis Díaz Alperi (PP) sich geweigert, die Ehrenbekundungen des Diktators zu entfernen und dafür eigens 25.000 Unterschriften gesammelt. Die Sozialdemokraten wollten jedoch nicht so leicht aufgeben und stützten sich bei ihrem erneuten Antrag auf das vor wenigen Jahren verabschiedete „Gesetz des historischen Gedächtnisses“, das es örtlichen und regionalen Verwaltungen unter anderem ermöglicht, die Epoche der Diktatur verherrlichende Denkmäler, Plaketten, Städtenamen etc. ohne viel Aufhebens zu entfernen.

Roque Moreno, sozialdemokratischer Abgeordneter in Alicante, hatte diesbezüglich argumentiert, die Aberkennung des Titels „Ehrenbürger“ sei „von Gesetzes wegen notwendig“. Er betonte dabei, in keiner Gesellschaft hätten Elemente Platz, die Diktatoren verherrlichen.

Die Sprecher der PP setzten dem entgegen, die Angelegenheit würde „niemandem den Schlaf rauben“ und sei von daher auch absolut nicht vorrangig. Vor allem diejenigen, die in der Demokratie groß geworden sind, würden überhaupt nicht verstehen, wieso ein derartiges Aufsehen über diese „alten Kamellen“ gemacht würde, während gleichzeitig beispielsweise die Stromrechnung ständig ansteige.




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