Franco-Exhumierung abgeschlossen


Die neue Ruhestätte Francos im Familiengrab auf dem Friedhof Mingorrubio. Im Vordergrund das Grab seiner Ehefrau Carmen Polo. Fotos: EFE

Die sterblichen Überreste wurden in das Familiengrab in Mingorrubio umgebettet

Madrid – Die Gefallenengedenkstätte „Valle de los Caídos“, fünfzig Kilometer nordwestlich von Madrid, hat nach der Exhumierung der sterblichen Überreste des spanischen Diktators Francisco Franco ihre Pforten erneut für Besucher geöffnet. Das „Tal der Gefallenen“ mit der Basilika, in deren Inneren sich die Grabstätte Francos befand, zog seit 1990 alljährlich Tausende Besucher an, im Jahr 2018 waren es 380.000.

Die Basilika im „Valle de los Caídos“ ohne das Grab des spanischen Diktator. Dort, wo es sich befand (in der unteren Mitte des Bildes), wurde der Boden mit schwarzen Marmorplatten geschlossen. Fotos: EFE


Am 24. Oktober war die Exhumierung vorgenommen worden. Der Sarg wurde auf den Friedhof von Mingorrubio im Madrider Stadtteil El Pardo in das Familiengrab der Familie Franco umgebettet. Auf diesem Friedhof befinden sich auch Gräber mehrerer weiterer Größen des Franco-Regimes. Das leere Grab in der Basilika wurde mit schwarzen Marmorplatten bedeckt, ähnlich denen, die den umgebenden Boden bilden. Diese Arbeiten wurden durch das Personal der Gedenkstätte „Valle de los Caídos“ durchgeführt, die über entsprechendes Material bereits verfügte. So wird die Umbettung des „Caudillo“ letztendlich weniger kosten als die von der Regierung veranschlagten 63.000 Euro. Zumal auch die Kosten für einen neuen Sarg entfallen, weil die Familie Francos alle drei Särge ablehnte, welche die Regierung für den Fall, dass der Originalsarg in schlechtem Zustand wäre, in der Basilika bereitstellen ließ.
Bei der Exhumierung waren zahlreiche Angehörige von Opfern des Franco-Regimes und Vertretr der Verbände, die sich bis heute um geschichtliche Aufarbeitung und die Identifizierung der Toten in den Massengräbern bemühen, anwesend, ebenso wie 22 Mitglieder der Familie Francos und die spanische Justizministerin Dolores Delgado.
Nachdem die eineinhalb Tonnen schwere Grabplatte entfernt worden und der Sarg herausgehoben war, kam es zu einem ersten Zwischenfall, als der Familie untersagt wurde, den Sarg mit einer Flagge aus der Franco-Zeit zu bedecken. Familienangehörige trugen den Sarg auf ihren Schultern aus der Basilika. Mit einem Hubschrauber wurde er zum Friedhof von Mingorrubio gebracht. Dort warteten zahlreiche Anhänger des Franquismus, um dem von ihnen noch immer verehrten Diktator die Ehre zu erweisen. Die Anwesenheit des greisen Alfredo Tejero, der 1981 ein Protagonist des Putschversuchs gegen die noch junge spanische Demokratie war, erregte großes Aufsehen. Er versuchte auf den Friedhof zu gelangen, wurde jedoch von der Polizei daran gehindert, an der Beisetzungszeremonie in Mingorrubio teil- zunehmen, die von einem Sohn Tejeros, einem Geistlichen, geleitet wurde.

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