Franco-Erben sperren Touristen aus


Der „Pazo de Meirás“ liegt in Galicien. Foto: EFE

Den Landsitz „Pazo de Meirás“ ließ sich Franco seinerzeit „schenken“ – heute ist er Kulturgut

Santiago de Compostela – Das Palais „Pazo de Meirás“ in der galicischen Provinz La Coruña im Nordwesten Spaniens sieht aus wie ein mittelalterlicher Herrensitz, wurde jedoch erst Ende des 19. Jahrhunderts durch die adlige Schriftstellerin, Professorin und Frauenrechtlerin Gräfin Emilia Pardo Bazán auf den Ruinen einer alten Festung erbaut. Mit seinen drei unterschiedlich hohen quadratischen Türmen weckte das eindrucksvolle Gebäude während des Spanischen Bürgerkrieges das Interesse des Caudillo Francisco Franco und seiner Frau Carmen Polo. Die franquistischen Autoritäten in La Coruña beschlossen daraufhin, Franco den Landsitz als Sommerresidenz zu „schenken“. Die Bevölkerung der Gegend wurde gezwungen, für den Ankauf des Hauses zu bezahlen, indem die Franquisten Druck auf alle Arbeitgeber ausübten, Teile des Lohns ihrer Angestellten und Arbeiter für diesen Zweck einzubehalten. Darüber hinaus gab es etliche Landenteignungen.

Aufgrund des Amnestiegesetzes von 1977 blieb das unter Zwang und Drohungen erworbene Anwesen auch nach Francos Tod im Besitz seiner Familie, deren Oberhaupt dessen einzige Tochter Carmen Franco ist. Doch schon seit geraumer Zeit gibt es Bemühungen, das Haus der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Diese gipfelten im Jahr 2008 in der Erklärung des „Pazo de Meirás“ zum Kulturgut, zum Bien de Interés Cultural (BIC). Seitdem ist die Familie Franco, die jedes Jahr einen Teil des Sommers im Palais verbringt, dazu verpflichtet, das historische Gebäude mindestens viermal monatlich vier Stunden lang für Besichtigungen zu öffnen.

Doch die Erben Francos stellen sich quer. Zwar wurde eine Telefonnummer und eine E-Mail-Adresse bekannt gegeben, unter der Besichtigungstermine reserviert werden können, doch kam und kommt es regelmäßig vor, dass die Besucher trotz Termin vor verschlossenen Türen stehen. In jedem August ließ man die Führungen einfach komplett ausfallen, weil die Familie dann dort weilt. Im vergangenen Jahr schließlich wurden Telefon- und E-Mail-Dienst ganz eingestellt, sodass niemand mehr Zugang hatte.

Nachdem die Provinzregierung deswegen im zweiten Jahr in Folge ein Bußgeldverfahren anstrengte und die Medien verstärkt darüber berichteten, gibt es nun eine neue Telefonnummer für Reservierungen, die auch betreut wird. Die Familie Franco behauptet, der Reservierungsdienst sei niemals unterbrochen und Touristen mit Anmeldung auch immer einge­-

lassen worden – bis zu 70 Beschwerden, die allmonatlich beim zuständigen Fremdenverkehrsbüro eingehen, sprechen eine andere Sprache.

Verschiedene Bürgerinitiativen sehen die Tatsache, dass die Francos das Palais in ihrem Besitz behalten haben und die Bürger ausschließen können, als undemokratisch an. Sie monieren, dass beispielsweise die Familien Mussolinis und Hitlers in ihren Heimatländern auch keine Besitzungen haben, welche sie sich in der Zeit der Diktaturen angeeignet haben. Eine Initiative bemüht sich darum, das „Pazo de Meirás“ ohne Zahlung von Entschädigung ins Eigentum des Staates zu überführen.




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