Franco-Anhänger wollte Präsident Sánchez ermorden


Die Mossos d'Esquadra entdeckten in der Wohnung des Verdächtigen ein Waffenarsenal. Foto: EFE/Mossos d'Esquadra

Das Oberste Gericht Kataloniens sieht anhand der Beweislast die Ersthaftigkeit des Vorhabens als hinreichend belegt und hat Präventivhaft angeordnet

Barcelona – Erst im November wurde die Festnahme eines Mannes am 19. September in Barcelona bekannt, dem unterstellt wird, einen Anschlag auf den Präsidenten Pedro Sánchez vorbereitet zu haben. Die Beamten der katalanischen Polizei Mossos d’Esquadra stießen nach erfolgter Festnahme in der Wohnung des Verdächtigen auf ein enormes Waffenarsenal.

Der 63-jährige Manuel Murillo wurde am 19. September auf offener Straße von den Mossos festgenommen, die befürchteten, dass Murillo in seiner Wohnung Waffen lagerte und ein Zugriff in der Wohnung gefährlich sein könnte. Seitdem sitzt Murillo in Haft. Ihm wird vorgeworfen, ein Attentat auf Pedro Sánchez vorbereitet zu haben. In diversen WhatsApp-Gruppen hatte er ernsthaft und glaubhaft geäußert, den spanischen Präsidenten ermorden zu wollen. Albert Oliva, Sprecher der Mossos d’Esquadra, gab auf einer Pressekonferenz bekannt, der Angestellte einer Sicherheitsfirma habe über einen konkreten Tatplan verfügt. Er sei nur noch auf der Suche nach Hilfe bei der Logistik gewesen, wie beispielsweise Personen, die ihn über den Terminplan des Präsidenten informieren oder einen Unterschlupf nach erfolgter Tat bieten würden.

Doch woher kam dieser Hass gegen den spanischen Präsidenten? Bei Murillo handelt es sich um den Sohn des letzten „franquistischen“ Bürgermeisters von Rubí (Provinz Barcelona). Laut Polizeibericht sei der 63-Jährige ein „Nostalgiker“, der Franco und die Zeit unter dem Diktator verherrlichen würde. Die Entscheidung der Regierung, den Leichnam des Diktators zu exhumieren und aus dem Valle de los Caídos zu entfernen (das Wochenblatt berichtete), ging Murillo entschieden zu weit. Wie sehr er diese Entscheidung ablehnte, äußerte er zunehmend in den sozialen Netzwerken.

Doch dann wandte er sich an eine lokale Leiterin der ultrarechten Vox-Partei, die umgehend die Behörden einschaltete. Nach weniger als einer Woche nahmen die Polizisten Manuel Murillo fest. Zu gewichtig war der Verdacht, der Franco-Anhänger würde sein Vorhaben in die Tat umsetzen. Immerhin arbeitete er als Wachmann, verfügte über eine Waffenlizenz, war professioneller Schütze, trainierte regelmäßig im Schieß-Verein von Terrassa. Er hat kaum persönliche Bindungen, keine Partnerin, keine Kinder, keine engen Freundschaften. Er hatte nichts zu verlieren, so die Polizei. In den sozialen Netzwerken habe er geäußert, er wolle sich für Spanien opfern, ihm seien die Folgen wie Festnahme und Gefängnisstrafe gleichgültig.

Polizeiliche Quellen beschreiben ihn als obsessiv und pedantisch, was sich auch in seinen sportlichen Erfolgen widerspiegelte. Mit knapp 40 Jahren schaffte er es in die Elite. Als Mittel- und Langstreckenläufer gewann er viermal hintereinander, zwischen 1993 und 1996, die spanische Meisterschaft. Sechsmal nahm er an der Weltmeisterschaft teil. Sportliche Betätigung und gesunde Lebens­weise behielt er auch später bei.

Kurz nach der Festnahme durchsuchten die Mossos d’Esquadra seine Wohnung und beschlagnahmten ein wahres Waffenarsenal, bestehend aus vier Präzisionsgewehren, einem Sturmgewehr, einer Maschinenpistole, 16 Pistolen, der entsprechenden Munition und Sprengstoffen.

Seit seiner Festnahme sitzt Manuel Murillo in Haft. Ihm wird Verschwörung zu einem Attentat gegen die staatliche Ordnung mit dem Einsatz von Waffen, schwere Bedrohung, illegaler Besitz und Lagerung von Waffen, Munition und Sprengstoff sowie ein Hassdelikt vorgeworfen. Das gab der Oberste Gerichtshof Kataloniens bekannt. Das Gericht hegt keine Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Vorhabens, den Präsidenten zu ermorden, und hält deshalb die Präventivhaft aufrecht.





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