Fragen der letzten Wochen


Ein Artikel von Ottmar Beck (Alltrust AG)

– Ist das Zinssenkungspotenzial in den USA weitgehend ausgeschöpft?

Ja, aber auch die letzten Zinssenkungen dienten schon primär der Vertrauensbildung für die Märkte. Es gilt, die Rezession so kurz wie möglich zu halten und den Absturz in die Deflation zu verhindern. Die Finanzinstitute müssen Risiken aktiv abbauen und ihre Bilanzen verkürzen. Nur so kann wieder Vertrauen in ihre Stabilität gesetzt werden. Die Zinssenkungen helfen dabei und in Europa gibt es noch Spielraum für Senkungen.

– Ist der (amerikanische) Konsument bereits bis zum Hals verschuldet (Immobilien, Kreditkarten etc.) und hat keinen Spielraum mehr?

Ja, die Einzelhandelsumsätze sind im Oktober um 2,8 % gesunken und die Preise von Importwaren um 4,7 % gefallen. Das Konsumentenvertrauen ist nach den letzten Umfragen auf den niedrigsten Stand seit 1980 gefallen. Aber weltweit gilt: Der Energie-, Öl- und Rohstoffpreisschock ist vorbei und der Inflationsdruck rückläufig. Das ist gut für die Konsumenten, die sich mehr leisten können, und für die Unternehmen, deren Kosten sinken.

– Wird die Sparquote in den USA wieder steigen?

Ungefähr 3% des Wachstums des Bruttoinlandsprodukts von 2002 bis 2007 wurde durch eine höhere Verschuldung von Immobilien und dem Konsum dieser Gelder finanziert. Ja, die Konsumenten werden wieder höhere Beträge sparen, die der konsumgetriebenen Wirtschaft in den USA kurzfristig fehlen werden. Aber eine höhere Sparquote und eine wachsende Bevölkerung sind die Basis für einen langfristig wieder steigenden Konsum in den USA.

– Werden die Banken ihre Kreditportfeuilles reduzieren müssen?

Ja, aber es werden neue Kredite mit mehr Substanz, weniger Abschreibungen und letztendlich besserem Ertragspotenzial für die Banken vergeben werden.

– Sind die Märkte gesättigt (mehr als drei Kühlschränke brauchen selbst Amerikaner nicht)?

Ja, in Europa und Amerika. Aber der größere Teil der Menschheit in Asien, Latein-amerika und anderen Schwellenländern wagt noch nicht einmal von einem Kühlschrank zu träumen. Der Prozess wird dauern, aber die Konsummärkte werden sich dank der besseren Verteilung des Reichtums in der Welt auch verschieben. Wir werden weiter exportieren.

– Halten die Unternehmen vor diesem Hintergrund Inves­titionen zurück?

Ja, genauso wie die irrationale Überschwänglichkeit zu törichten Geschäftsentscheidungen geführt hat, herrscht jetzt Pessimismus vor. Aber das Pendel wird wieder zu­rückschwingen. Wir werden uns an das neue Umfeld gewöhnen und konservativer handeln. Der neue Konservativismus wird der Welt eine neue Stabilität auf niedrigerem Niveau bringen. Von diesem Niveau aus können wir wieder wachsen. So war es schon, seit die Meder mit den Persern Handel getrieben haben.

– Gibt es ein Potenzial für bessere Aktienkurse?

Ja, bis zum 15. November haben viele Anleger ihre Hedge-Fonds-Anteile zum Jahresende gekündigt. Ein Teil der sehr schwachen Handelstage der letzten Wochen dürfte durch Notverkäufe seitens dieser Fondsmanager entstanden sein. Ein großer Teil dieser Gelder fließt zu institutionellen Anlegern zurück und diese müssen es wieder anlegen. Da der Erwartungshorizont für die Rendite der Portfolios bei 7 bis 8% liegt, können sie kaum alles in festverzinslichen Wertpapieren anlegen. Ein Teil der Gelder wird in die Aktienmärkte zu­rückfließen. Um die schlechten Zahlen dieses Jahres nicht noch weiter zu verschlechtern und um eine hohe risikoaverse Festgeldquote am Jahresende aufzuweisen, werden diese Gelder erst Mitte bis Ende Januar zurück in den Markt fließen. Deswegen können wir ein positives erstes Quartal bei den Aktienkursen erleben.

Mehr Informationen?

Am 20. Januar 2009 findet für unsere geladenen Gäste in Puerto de la Cruz im Hotel Garoe ein privater Vortrag statt. Haben Sie Interesse? Dann wenden Sie sich unter der Telefon-Nr.: 922 575496 an Herrn Robert Burlon.  




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