Four more years. Glückwunsch, Mr. President!


Ein Artikel von Ottmar Beck (Alltrust AG)

Barack Obama bleibt Präsident der Vereinigten Staaten und die Partylaune an der Wall Street ist vorerst aus. Jetzt gilt es, die Probleme anzugehen. Es geht vor allem um die Frage, wie die Amerikaner mit ihren völlig überhöhten Staatsfinanzen fertig werden.

Lag das Verhältnis von Staatsverschuldung zu Volkseinkommen im Jahr 2000 bei 54%, so haben die USA inzwischen einen beinahe doppelt so hohen Wert von rund 107% erreicht. Dazu hat sich die Geldmenge verdoppelt, während das nominale Volkseinkommen nur um die Hälfte zugelegt hat. Seit 2000 hat das Land darüber hinaus schon zwei Rezessionen erlebt. Und zwischen den beiden großen Parteien – den Republikanern und den Demokraten – liegt ein tiefer Graben. Während sich die einen vor allem als Anwälte von Steuersenkungen sehen, fokussieren sich die anderen auf Sozialprogramme wie die Einführung der Krankenversicherung für alle. In einem einzigen Punkt sind sich beide Parteien einig: Eine Rezession darf es nicht mehr geben.

Um dieses Ziel zu erreichen, wurden die Budgetdefizite so stark wie noch nie erhöht, und die Zentralbank flankierte diese Maßnahme mit weiteren Zinssenkungen. Das führte natürlich zu einer Mehrnachfrage, da durch diese Maßnahme Einkommen geschaffen wurde. Das Problem ist jedoch, dass die so geschaffenen Defizite permanent bleiben. Nun reden zwar sowohl Zentralbanker als auch Politiker davon, diese Defizite beizeiten auch wieder zu reduzieren. Das würde aber unweigerlich dazu führen, dass auch das Volkseinkommen sinkt. Und das dürfte wiederum zu einer neuen Rezession führen. Denn wenn der Wirtschaft Geld entzogen wird, heißt das, dass die Zinsen steigen. Wer aber glaubt, dass Zinssenkungen Wachstum bringen, muss folgerichtig auch wissen, dass Zinserhöhungen Wachstum kosten. Und eines ist auch sicher: Steigende Zinsen sorgen dafür, dass Vermögenswerte sinken. Die Politik hat also in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass den kurzfristigen Erfolgen langfristig hohe Kosten entgegenstehen.

Die Budget- und Steuerpolitik und die viel zitierte „fiscal cliff“ erfordern schnelle Entscheidungen. Zum Jahreswechsel drohen den US-Bürgern automatische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen. Obamas Problem besteht darin, dass er auf die Zustimmung der Republikaner angewiesen ist, die die Mehrheit im Repräsentantenhaus haben. Sollten sich beide Parteien nicht einigen, droht hier ein Einbruch von 4,5% des Bruttoinlandsprodukts. Aber selbst wenn es zu einer Einigung kommt, wird von der Finanzpolitik 2013 eine Bremswirkung auf die Konjunktur von mindestens 1,5% des Bruttoinlandsprodukts ausgehen. Da die US-Wirtschaft derzeit nur um ca. 1,6% wächst, hätte das für die USA ein Nullwachstum zur Folge. Insofern wird der von allen erwartete umfassende Aufschwung ausbleiben. Dazu kommt, dass die wichtigsten Kanäle für die geldpolitischen Impulse in der realen Wirtschaft nach wie vor schwach sind. Die Renditen der langfristigen Staatsanleihen sind jetzt schon sehr niedrig und dürften nicht weiter fallen. Auch die Kreditvergabe verläuft nicht wie im Lehrbuch beschrieben: Die Banken horten einen Großteil der ihnen zur Verfügung stehenden Liquidität, statt das Geld zu verleihen. Was bedeutet: Wer heute einen Kredit aufnehmen kann, hat genug Geld und ist vorsichtig, es auszugeben, während diejenigen, die einen Kredit aufnehmen möchten, verschuldete Haushalte und Unternehmen, keinen bekommen.

Für den zart keimenden Wirtschaftsaufschwung in den USA birgt all das viele Risiken. Die Angst bestimmt daher derzeit die Handlungen der Anleger und hat die Börsen kurz nach der Wahl auf Talfahrt geschickt. Obwohl die Finanzmärkte nach wie vor der Ansicht sind, dass Obama und Bernanke die Politik des billigen Geldes fortsetzen werden.

Für Sparer bedeutet das: weiterhin niedrige Zinsen und leicht steigende Inflationsraten. Wer sein Geld auf Fest- oder Tagesgeldkonten parkt, verliert. Manche Institute locken zwar mit lukrativen Prozenten, bieten dafür aber oft nur einen Bruchteil an Sicherheit. Selbst wenn man sich um Einlagensicherung keine Gedanken macht, sollte die Pleite der isländischen Kaupthing Bank eine Lehre sein. Was gibt es für Alternativen? Immobilien gelten als wertbeständig und rentieren, wenn sie vermietet sind, je nach Lage und Land zwischen 3 und 6%. An Risiken wird dabei im Gegensatz zu Aktien selten gedacht. Das ist jedoch ein psychisches Phänomen. Den Kurs einer Aktie können Sie täglich sehen. Sie werden zu jedem Zeitpunkt mit Gewinnen oder Verlusten konfrontiert. Bei Immobilien kommt das böse Erwachen oft erst dann, wenn man sie verkaufen will. Um so erstaunlicher, dass Immobilien in der Gunst der Sparer und Anleger so viel höher liegen als Aktien.

Mehr Informationen?

Haben Sie Interesse? – Dann wenden Sie sich unter der    Telefon-Nr.: 922 575496 an Herrn Robert Burlon oder unter 0041 79 4207493 an Herrn Ottmar Beck.




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