Finanzielle Ausgrenzung


Das Dorf Canencia in der Provinz Madrid ist eine von Hunderten spanischer Ortschaften, in der es keine einzige Bankfiliale mehr gibt. Foto: Cruccone

Der Bevölkerungsanteil ohne Zugang zu Bankdiensten am Wohnort ist seit 2008 um 44% gestiegen

Madrid – Eine steigende Anzahl von Einwohnern, vor allem ländlicher Gebiete, sieht sich an ihrem Wohnort von finanzieller Ausgrenzung betroffen. Seit einem Jahrzehnt, seit Beginn der Finanzkrise, vollzieht sich still und leise ein Bankfilialensterben von erheblichem Ausmaß. Damit ist einem stetig anwachsenden Personenkreis, insbesondere Senioren und Einkommensschwachen, der direkte Zugang zu Bargeld und sonstigen Bankdiensten verwehrt.

Schon gibt es in über der Hälfte aller spanischen Gemeindebezirke (52,2%) keine Bank mehr. Allein im Verlauf des Jahres 2017 ist der Anteil der Bürger, die keine Bankfiliale in ihrem Wohnort haben, um 7,2% gestiegen.

Insgesamt leben aktuell 1,35 Millionen Spanier, 2,9% der Bevölkerung, in Dörfern und Stadtteilen ohne Geldinstitut vor Ort. Das sind 44% mehr als noch 2008. Seit damals haben die Banken 18.955 Filialen geschlossen, fast die Hälfte (42%) des Gesamtbestandes.

Der entscheidende Faktor für den Verlust der Bank vor Ort ist die Einwohnerzahl: Ortschaften mit 5.000 bis 10.000 Einwohnern machen nur 0,1% der Gemeinden aus, die keine Bank mehr haben, während Dörfer unter 500 Einwohnern 83% dieser Gruppe stellen.

Unter allen spanischen Provinzen ist die Provinz Barcelona, die 56% aller Filialen verloren hat, am schwersten betroffen. Dafür war vor allem das Debakel der katalanischen Sparkassen verantwortlich, von denen alle, bis auf La Caixa, pleitegegangen und von anderen Geldinstituten übernommen worden sind.

Die Inseln sind kaum betroffen

Nach autonomen Regionen betrachtet, sieht es in Castilla y León besonders schlimm aus. Hier sind 80% aller Dörfer und damit 16,5% der Bevölkerung ohne Bankfiliale. Es folgt Navarra mit 60% der Ortschaften, in denen 8% der Bevölkerung leben sowie Castilla-La Mancha, La Rioja und Katalonien mit der Hälfte der Dörfer ohne Bank. Sehr gut sieht es dagegen noch auf den spanischen Inseln aus, wo nur vier Prozent der Dörfer ohne Filiale sind. Auf dem Festland schneidet Murcia mit 8,9% am besten ab.

Einem Bericht des Valencianischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Ivie) zufolge, arbeitet der Finanzsektor an einer Reduzierung der negativen Auswirkungen des Filialensterbens durch die Installation von Bankautomaten und den Einsatz mobiler Bankfilialen.




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