Feuerstier verboten


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Kleiner Teilerfolg für Tierschützer und Stierkampfgegner in der Stadt Valencia

Der Brauch, Kampfstieren Feuerbälle an den Hörnern zu befestigen, ist künftig in der Stadt Valencia nicht mehr zulässig. Die Stadtverwaltung hat für ihren Einflussbereich ein Verbot erteilt, das sich jedoch nur in einigen Stadtteilen der Provinzhauptstadt auswirkt.

Der Feuerstier, auf Spanisch „Toro embolado“ genannt, ist eine Stierkampfvariante, die vor allem im Nordosten Spaniens, in Katalonien, Valencia und Aragón, verbreitet ist. Dabei wird der Stier zunächst eng an einen Pfosten gebunden und Klumpen aus Werg und brennbarem Material an den Enden der Hörner befestigt und angezündet. Sodann schneidet einer der Teilnehmer den Stier los, während ein zweiter diesen am Schwanz festhält, um seinem Kompagnon die Flucht vor dem nun in blinder Panik voranpreschenden Tier zu erleichtern. Der Stier mit den brennenden Hörnern irrt nun bockend durch die Straßen, rennt gegen Barrieren, Häuserwände, Mauern und schleift die Hörner über den Boden, um die Flammen loszuwerden. Die Zuschauer folgen dem Stier und provozieren ihn, um sich dann wieder hinter den Barrieren in Sicherheit zu bringen. Dies kann sich stundenlang hinziehen, mittlerweile gibt es jedoch auch einsichtige Veranstaltungen, welche die Tortur auf 15 Minuten beschränken. Der Stier wird dabei nicht direkt verbrannt, die Panik und die große Hitze sind dennoch eine offensichtliche Quälerei. Tierschützer weisen darüber hinaus darauf hin, dass es sehr wohl im Verlauf des Spektakels zu Verbrennungen im Gesicht und am Rücken sowie zu einer Schädigung der Augen kommen kann.

Die Stadtverordneten haben nun entschieden, dass diese Feuerspiele eine sehr schwere Form von Tierquälerei darstellen und nicht mehr zulässig sind. Weiterhin wurde beschlossen, dass Stierkampffeste und -schulen nicht mehr aus der Stadtkasse unterstützt werden.

Geringe Wirkung

Diese Beschlüsse haben jedoch auf den Großteil der Stierkampfveranstaltungen in Valencia keine Auswirkungen, da die Stierkampfarena der Stadt durch die Provinzregierung verwaltet wird. So betrifft das Veto der Stadtverwaltung nur rund 17.500 von fast 800.000 Valencianern, nämlich diejenigen, welche in den Ortsteilen Benimàmet, Benifaraig, Carpesa und Massarrojos leben. Alljährlich werden in diesen vier Gemeinden Stierkämpfe abgehalten und der nun verbotene Feuer­stier gehört überall dazu. In diesem Jahr fanden die Feuerstier-Spektakel dennoch auch dort wieder statt, weil der Beschluss erst Ende Juni, nach den diesjährigen Stierkampftagen, wirksam wurde.

Wegen der geringen Reichweite der Maßnahme hat das Ayuntamiento von Valencia gleichzeitig beschlossen, der Provinzregierung seinen Wunsch anzutragen, auf dem Weg zu einer Stadt, „die sehr viel freundlicher mit Tieren umgeht“, voranzuschreiten. Insgesamt will die Stadtverwaltung bei der Veränderung der valencianischen Stierkampfgebräuche schrittweise vorgehen. Ein vollständiges Verbot hält die kommunale Tierschutzbeauftragte Gloria Tello für „kontraproduktiv“. Bürgermeister Joan Ribó hat in diesem Sinne schon vorgeschlagen, in einem ersten Schritt die Stierkämpfe nicht mit dem Tod des Stiers enden zu lassen.

Im Stadtrat herrscht weitgehende Einigkeit, was die Abschaffung allzu brutaler Festgebräuche angeht. Nur die Vertreter der PP sind unzufrieden und bezeichnen das Verbot als Angriff auf die Traditionen Valencias. Die Stierkampf-Befürworter bemängeln, sie seien bei der Debatte um den Feuer­stier nicht gehört worden, worauf der Bürgerbeauftragte der Stadt, Jordi Peris, konterte: „Über Grausamkeit wird nicht abgestimmt.“




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