Ferienimmobilien zusehends auf dem langfristigen Vermietungsmarkt zu finden

Viele Vermieter von Ferienwohnungen sind während der Corona-Krise in den Markt der langfristigen Vermietung geflüchtet. Foto: pixabay

Viele Vermieter von Ferienwohnungen sind während der Corona-Krise in den Markt der langfristigen Vermietung geflüchtet. Foto: pixabay

Immobilienfirmen verzeichnen aufgrund der Corona-Krise einen Anstieg des Mietangebots um 19%

Madrid/Kanarische Inseln– In Spanien gibt es nach offiziellen Schätzungen etwa 200.000 Ferienmietobjekte. Aufgrund der ausbleibenden Touristen durch die Corona-Pandemie sieht sich ein Großteil der Eigentümer von Ferienimmobilien nun gezwungen, eine Alternative zu suchen. Das merken inzwischen auch die einschlägigen Immobilienportale, deren Angaben zufolge in den letzten Monaten ein deutlicher Anstieg des regulären Mietangebots verzeichnet wurde.
Allein zwischen dem 16. März und dem 31. Mai verzeichnete beispielsweise Fotocasa einen Anstieg der auf dem Portal geschalteten Mietanzeigen von 19%. Besonders viele dieser Anzeigen betreffen derzeit Ferienimmobilien in Andalusien, Extremadura, Navarra und Murcia.
Ähnlich sieht es bei Pisos.com aus. Das Portal verfügt über eine kleine Sparte für Ferienvermietungen. Im April sind 11% der dort bislang veröffentlichten Mietobjekte in das reguläre Vermietungsangebot gewechselt. Im Mai waren es schon 16,5%. Der Studienleiter des Portals Idealista, Fernando Encinar, hingegen spricht von einem leichten Rückgang neuer Anzeigen auf dem Vermietungsmarkt des Portals. Lediglich in Madrid habe man einen Anstieg bemerkt, der seiner Meinung nach tatsächlich auf den Wechsel von touristischen Mietobjekten zum regulären Markt zurückgeführt werden könnte.
Fevitur, der Dachverband spanischer Ferienimmobilien, hat ebenfalls einen verstärkten Anstieg dieser Tendenz in der spanischen Hauptstadt bemerkt. Nach Angaben des Verbandsvorsitzenden Tolo Gomila sind 40% der Ferienimmobilien, die Fevitur-Mitglieder in Madrid unterhalten, in den letzten Wochen auf den langfristigen Vermietungsmarkt gewechselt. Landesweit liege der Durchschnittswert allerdings nur bei 6%.
Gomila sieht den Hauptgrund für diesen Anstieg im Einbruch des Tourismus aufgrund der Corona-Pandemie. „Dieses Jahr ist im Hinblick auf Ferienvermietungen ein verlorenes Jahr“, so der Vorsitzende wörtlich. „Lediglich der reguläre Vermietungsmarkt kann die Einnahmeeinbußen nun noch etwas abschwächen.“
Allerdings halten einige der Experten nicht nur den ausbleibenden Tourismus für ausschlaggebend. Viele der Eigentümer von Ferienimmobilien hätten sich während der monatelangen Ausgangssperre in Spanien sicherlich auch generell Gedanken gemacht und gemerkt, dass das Geschäftsmodell „Ferienimmobilie“ für sie im Grunde nur dann wirklich rentabel ist, wenn sie auch alles selbst organisieren und keine Vermittler für die gesamte Abwicklung bezahlen müssen. Sicherlich habe auch das dazu geführt, dass sich einige der Besitzer bisheriger Ferienimmobilien jetzt für den bequemeren und eventuell krisensicheren Weg der Langzeitvermietung entschieden haben.
Wie lange diese neuen Mietobjekte jetzt jedoch auf dem regulären Markt angeboten werden, ist ungewiss. Der Sprecher der Gewerkschaft Madrider Vermieter und Vermieterinnen fordert die Regierung nun dazu auf, entsprechende gesetzliche Regelungen zu erlassen, um zu verhindern, dass diese neuen Mietobjekte in den Ferienmarkt zurückkehren, sobald sich die Situation wieder verbessert hat. Er nennt als Beispiel in diesem Zusammenhang auch einige Städte, die bereits entsprechende Maßnahmen eingeführt haben, um die auf das reguläre Vermietungsangebot angewiesenen Bürger besser zu schützen.
Auf den Kanarischen Inseln hält sich die „Abwanderung“ von Ferienvermietung zu Langzeitvermietung bislang in Grenzen, versichert die Vorsitzende des regionalen Ferienvermieterverbands Ascav, Doris Borrego. Die Zahlen von Fotocasa bestätigten, dass die Inseln zu den autonomen Regionen Spaniens zählten, in denen das Angebot auf dem Mietwohnungsmarkt am geringsten zugenommen hat, und zwar nur um 2,7%, erklärte Borrego. Die meisten Ferienwohnungen auf den Inseln hätten während des Alarmzustands leer gestanden, und nur solche Wohnungen, die keine hohen Qualitätsansprüche erfüllen, seien in den Mietwohnungsmarkt eingegliedert worden.
Doris Borrego ist der Ansicht, dass die Umwandlung von Ferienwohnungen in Langzeitmietobjekte ein Phänomen der großen Städte wie Madrid oder Barcelona ist. Auf den Inseln hingegen sei der Anteil derer, die sich für den Wechsel entscheiden, verschwindend gering. Dies sei ein Beweis für die Hoffnung, mit der hier die Rückkehr zum Tourismus erwartet werde. „Wir bekommen Reservierungsanfragen von Residenten und Urlaubern vom spanischen Festland und auch schon aus Deutschland und Frankreich“, versicherte Doris Borrego.

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