EU-Aufenthaltsgenehmigung durch vorgetäuschte Verwandtschaft


In Spanien werden immer mehr dieser Betrugsfälle aufgedeckt

Die spanische Polizei ist immer mehr Fällen von vorgetäuschter Verwandtschaft auf der Spur, durch die nicht EU-Bürger versuchen, eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung in Spanien zu erhalten.

Madrid – Jahrelang muss diese Vorgehensweise durchaus erfolgreich gewesen sein, denn die Ermittler entdeckten in Katalonien unter anderem einen Fall, bei dem ein Mann nigerianischer Herkunft, der in Spanien eingebürgert ist, 80 Ausländer als seine „Kinder“ ausgab, um ihnen zu den ersehnten Papieren zu verhelfen. Allerdings nur gegen Cash. Eine Gebühr von bis zu 5.000 Euro pro „Kind“ war an der Tagesordnung. Um nicht aufzufallen, agierte der Mann allem Anschein nach in verschiedenen Städten und unter dem Deckmantel zweier Identitäten.

Nicht minder Aufsehen erregend ist auch der Fall eines Rentners bengalischer Herkunft, der ebenfalls die spanische Staatsbürgerschaft erhalten hatte und im Laufe der Jahre für immerhin 60 Personen den Vater spielte. Sein Aktionsgebiete waren Valladolid, Madrid, Barcelona, Tarragona, Girona und Málaga. Geholfen wurde ihm bei dem lukrativen Geschäft von einem ebenfalls in Spanien eingebürgerten Landsmann, zwei Briten, einem Deutschen und einem Österreicher.

Nach Angaben der Polizei ist es nicht ganz einfach diesen Betrügereien auf die Spur zu kommen, da es sich meistens um Personen aus Ländern handelt, in denen es relativ leicht ist, an gefälschte Pässe und Geburtsurkunden zu gelangen. Natürlich werden diese Unterlagen in Spanien möglichst genau überprüft und bei Verdacht entsprechende Ermittlungen eingeleitet, dennoch dürften nicht wenige Fälle „durchgerutscht“ sein.

Um möglichst keinen Verdacht zu erregen, verteilen die falschen „Väter“ ihre Anträge über verschiedene Behörden in ganz Spanien. Ziel ist der Erhalt der „Tarjeta de Residencia für Familienangehörige eines Nicht-EU-Bürgers“, die in Spanien Aufenthalt und Arbeit ermöglicht und die Beantragung der spanischen Staatsbürgerschaft erleichtert. Um diese „Tarjeta“ zu erhalten, muss lediglich mit Hilfe von Pass und Geburtsurkunde die Verwandtschaft nachgewiesen werden bzw. im Fall eines Ehepartners anhand der Heiratsurkunde. Außerdem ermöglicht diese „Aufenthaltskarte“ den freien Transit in alle anderen EU-Staaten.

In Girona, Katalonien, sind die Ermittler allein in diesem Jahr 30 Fällen auf die Spur gekommen: 14 falsche Väter und 16 falsche Kinder, alle gambischer Herkunft. Girona ist die spanische Region mit den meisten Einwanderern aus Gambia und da es sich meist um Personen handelt, die seit vielen Jahren in Spanien leben, verfügen viele auch über die Staatsbürgerschaft.

Aufgedeckt wurde diese Betrugsart der falschen Verwandtschaft Ende 2007, doch erst 2009 wurde ein verdächtiger Anstieg der Fälle registriert. Inzwischen wird in Girona jeder Antrag einer Person gambischer Herkunft automatisch genauestens überprüft.




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