ETA verlegte Bombenfabrik nach Portugal


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Große Menge Chemikalien in Óbidos entdeckt

Der spanische Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba gab in den ersten Februartagen bekannt, dass der Fund von 1.500 kg Chemikalien, davon 1.330 kg Ammoniumnitrat, die in einem Haus im portugiesischen Óbidos entdeckt worden waren, zu einer „Bombenfabrik“ der baskischen Untergrundbewegung ETA gehört.

Madrid – Es soll sich um den größten Fund von Explosivstoffen handeln, seitdem 1999 in Frankreich 2,5 Tonnen Dynamit der ETA sichergestellt werden konnten. Das portugiesische Innenminis­terium hatte zuvor in einer Pressemitteilung allerdings von lediglich 800 kg Material, davon 500 kg Ammoniumnitrat, welches man sichergestellt habe, berichtet. Später wurden offenbar in einer Garage weitere große Mengen an Chemikalien gefunden.

Rubalcaba hob im Rahmen einer Pressekonferenz die gute Zusammenarbeit mit der portugiesischen Polizei hervor, die ebenfalls gegen die ETA ermittelt, um zu verhindern, dass diese Portugal als Basis für weitere Anschläge benutzt, und kündigte ein Treffen mit seinem portugiesischen Amtskollegen Rui Pereira an.

Gefunden wurden in dem Haus außerdem Stadtpläne von Madrid und Cádiz sowie „Material zur Montage von Bomben“. Auf die Spur waren die Ermittler bei der Sicherstellung eines Lieferwagens in der Provinz Zamora gekommen, in dem Elektronikbauteile entdeckt wurden, von denen vermutet wird, dass sie ebenfalls beim Bombenbau eingesetzt werden sollten. Ein weiterer Wagen mit Zündern war Anfang Februar entdeckt worden.

Unverdächtig bis zur Flucht

Das Haus im 70 Einwohner-Ortsteil Casal da Avarela der Stadt Óbidos, 80 km nördlich von Lissabon, war über eine Immobilienagentur von einem in London lebenden Angolaner für 450 Euro im Monat unter falschem Namen angemietet worden. Am letzten Sonntag im Januar „besuchten viele Leute das Haus“, wie Nachbarn mitteilten. Es gab ein großes „Kommen und Gehen“ und alle Lichter brannten, so dass die Nachbarn von einer Familienfeier ausgingen. Die Ermittler vermuten unter anderen die gesuchten ETA-Terroristen Oier Gómez Mielgo und Andoni Zengotitabengoa Fernández unter den Besuchern. Das Haus wurde anschließend in so großer Eile verlassen, dass die offenen Türen und die brennenden Lichter Eduardo Firmino, dem  nächsten Nachbarn auffielen, der zufällig Chef der Verkehrspolizei von Caldas de Rainha ist. Der vermutete einen Einbruch und verständigte die dafür zuständigen Kollegen von der „Guardia Nacional Republicana“. Firmino hatte vorher nie Verdacht geschöpft, da sich die Nachbarn von der ETA immer sehr diskret verhielten und untereinander Spanisch, aber nie Baskisch sprachen. Er hielt Oier Gómez (24) und Andoni Zengotitabengoa (30), die dort zwei Monate gewohnt hatten, für ein homosexuelles Paar. Die beiden waren daher auch Thema beim Dorftratsch, aber nie als mögliche Terroristen. „Wenn sie weiterhin ruhig in dem Haus geblieben wären, hätte niemand Verdacht geschöpft“, sagte Firmino der Presse.

Auch den anderen Nachbarn, unter ihnen noch zwei Polizisten und ein Militärangehöriger, war nichts aufgefallen. Die ETA-Terroristen waren dort also „gut beschützt“, wie eine Nachbarin ironisch bemerkte. Nach dem Sprengstoff-Fund wurden die Nachbarn zunächst evakuiert, konnten aber bald wieder in ihre Häuser zurückkehren.

Kassenbon führte zur Identifizierung

Durch den Kassenbon eines Supermarktes in Óbidos konnte Andoni Zengotitabengoa definitiv identifiziert werden. In dem Kleinlieferwagen, den die beiden Terroristen auf ihrer überstürzten Flucht stehen ließen, nachdem er im Schlamm steckengeblieben war, wurde der verräterische Kassenzettel gefunden. Am 17. Januar hatte einer von ihnen in dem Geschäft Dübel gekauft. Der Film der Sicherheitskamera zeigte Zengotitabengoa eindeutig mit dem Einkaufsbeutel in der Hand.

Der Staatssekretär für Sicherheit, Antonio Camacho, unterstrich die absolute Über­einstimmung zwischen den Regierungen Spaniens und Portugals was die Bewertung der Sachlage betrifft. Die gemeinsame Polizeiaktion sei ein klarer Hinweis an die Terroris­ten: „Wo immer sie ihre Todesfabriken hinbringen, wird die Polizei sie finden“.




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