„Es war die Herausforderung meines Lebens“


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David Meca schafft das scheinbar Unmögliche und schwimmt als erster Mensch vom Festland zu den Balearen

Mit einer außerordentlichen Leistung hat sich David Meca zum Herrscher über das Mittelmeer gemacht. Der Extremsportler hat etwas geschafft, das zuvor niemand für menschenmöglich gehalten hatte: In 26 Stunden schwamm er von der Ostspitze der Iberischen Halbinsel bis zum westlichsten Punkt des Balearenarchipels – das sind 110 km. Wenn man die strömungsbedingten Abweichungen von der geplanten Strecke berücksichtigt, sind es sogar 120 km gewesen.

Alicanta/Ibiza – Am Morgen des 4. Januar stürzte sich David Meca bei Xábia (Alicante) in das 12 Grad kalte Mittelmeer, um sich der größten Herausforderung seines Lebens zu stellen. Zwei Jahre lang hatte er sich mit hartem Training darauf vorbereitet, extra mehrere Kilo zugenommen, um die körperliche Belastung des Schwimm-Marathons zu überstehen.

Meca schwamm ohne Pause. Es wurde allmählich dunkel. „Die 14 Stunden Dunkelheit waren das Schlimmste, was ich je erlebt habe“, gestand der Star später. Vollkommen erschöpft erreichte er am 5. Januar um 6.30 Uhr die Bledes-Inseln. Er war 22,5 Stunden geschwommen. Obwohl er damit sein Ziel, die Balearen, theoretisch erreicht hatte und sein Körper rebellierte – er litt unter schlimmen Muskelkrämpfen, musste sich erbrechen und seine Arme versagten ihm den Dienst – machte er seinem Begleitteam Zeichen, weiterschwimmen zu wollen. „Ich wollte nicht, dass später irgendjemand sagen kann, dass ich es nicht wirklich geschafft habe“, berichtete er tags darauf in der Pressekonferenz.

Tatsächlich erreichte er wenige Stunden später den Zielhafen auf Ibiza. Allerdings im Zustand völliger Erschöpfung. Sanitäter halfen ihm aus dem Wasser und er brach vor den Augen einer jubelnden Menge zusammen. Im Krankenhaus wurden eine leichte Unterkühlung und eine Muskelzerrung festgestellt. Sein Gesicht war   durch Berührungen mit Quallen verquollen. „Die Menschen glauben einfach nicht, dass es im Winter ebenso viele Quallen im Mittelmeer gibt wie im Sommer. Ich habe ihre elektrischen Schläge sogar durch die dicken Handschuhe hindurch gespürt“, berichtete Meca nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus am nächsten Tag. Er hatte im Laufe der 26 Stunden, die er nonstop geschwommen war, sieben Kilo verloren.

„Ich werde die Badehose noch lange nicht

an den Nagel hängen“

„Es war die größte Herausforderung meines Lebens, wichtiger als jede gewonnene Medaille, und obwohl ich jetzt zufrieden die Badehose an den Nagel hängen könnte, werde ich mit 31 Jahren nach neuen Zielen Ausschau halten. Dies war übrigens eine persönliche Prüfung und kein verrückter Einfall, wie viele kritisiert haben“, betonte Meca.

Im Laufe seiner Karriere hat der junge Katalane bereits viel erreicht. Er ist Sieger von 35 internationalen Wettbewerben und mehrfacher Weltmeister im Langstreckenschwimmen. Im Sommer letzten Jahres gewann er in Montréal über 25 km die Goldmedaille. Durch immer neue Höchstleistungen hat David Meca schon häufig von sich reden gemacht. So schwamm er 1999 in Kalifornien mit Fußschellen von der Gefängnisinsel Alcatraz nach San Francisco, um gegen eine Wettkampfsperre wegen angeblich positivem Doping-Ergebnis zu protestieren. Die Meerenge von Gibraltar und den Ärmelkanal hat er schon durchquert, und in die Geschichte ging sein 2001 geglückter Versuch ein, von La Gomera nach Teneriffa (44,5 km in 8 Std.) zu schwimmen. 2002 legte er noch einen drauf und schwamm von Teneriffa nach Gran Canaria – von Hauptstadt zu Hauptstadt – (110 km in 23 Std.!)

Nach seiner jüngsten Heldentat will sich der Rekordmann nun eine Auszeit gönnen, um sich von den Strapazen zu erholen. „Zum ersten Mal seit den Olympischen Spielen 1992 werde ich länger als zwei Tage pausieren“, gab er zu.




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