„Es ist unverzichtbar, das Zusammenleben zu sichern“


Felipe VI. bei seiner fünften Weihnachtsansprache als König von Spanien im Zarzuela-Palast. Foto: EFE

König Felipe VI. ruft in seiner Weihnachtsansprache zur friedlichen Koexistenz auf

Madrid – Angesichts einer angespannten politischen und sozialen Situation und der Gefahr der Abspaltung einer Region konzentrierte König Felipe seine Weihnachtsansprache auf das friedliche Zusammenleben im Rahmen der Verfassung. Jedoch nicht nur im Hinblick auf das Risiko, in dem sich Spanien befindet, sondern auch mit Blick auf die Jugend, die unter den ernsten Folgen einer Wirtschaftskrise leidet, die ihre beruflichen Chancen vermindert und die Spielregeln geändert hat. „Wir haben eine Schuld bei der Jugend offen“, sagte er wörtlich.

In seiner traditionellen Rede am Heiligen Abend kam siebenmal das Wort Zusammenleben vor und zwar sechsmal im Zusammenhang mit Spanien, doch kein einziges Mal bezog er sich direkt auf Katalonien. Die Problematik der Unabhängigkeitsbestrebungen, welche die katalanische Gesellschaft in zwei Gruppen geteilt hat, schwang jedoch unausgesprochen in seiner Ansprache mit. Sie habe die politische Debatte vergiftet und radikalisiert und den Horizont mit Risiken und Unsicherheit verdunkelt.

Der Staatschef verwies auf die Ideale der Spanischen Verfassung, deren vierzigjähriges Jubiläum erst vor wenigen Wochen gefeiert wurde, und deren Prinzipien Versöhnung, Einheit, Dialog, Verständigung, Integration und Solidarität seien Grundlagen für die Freiheit und den Fortschritt, die das Land in den vergangenen vierzig Jahren erlebte.

Diese Worte bezogen sich auch auf die Tatsache, dass nur wenige Tage zuvor die spanische Regierung und die Regionalverwaltung, die von Unabhängigkeitsverfechtern geleitet wird, einen Weg beschritten haben, um die Brücke zum Dialog zu errichten.

Der Monarch unterstrich seine Überzeugung, dass die Spanier in einer gefestigten Demokratie und mit denselben Werten leben, wie die Demokratien ihrer Umgebung. Doch in einer Situation, wie sie zurzeit herrsche, müsse das Zusammenleben unbedingt gesichert werden und auf der Wertschätzung und dem Respekt vor den Personen beruhen, auf deren Ideen und Überzeugungen. Das sei unvereinbar mit Vorurteilen und Groll, Verhaltensweisen, die Teil der dunkelsten Geschichte Spanien waren und nicht zurückkehren dürften.

Die Überwindung der großen Probleme und der Ungerechtigkeiten könnte niemals in einer Situation der Teilung erfolgen und noch weniger durch Konfrontation, sondern nur durch Verständnis und Gemeinsamkeit, um die Schwierigkeiten anzugehen. „Das Zusammenleben ist der größte Besitz, den wir Spanier haben“, sagte König Felipe wörtlich. Doch er sei zerbrechlich, das dürfe man nicht vergessen.

Er warnte die Bürger davor, sich von Pessimismus und Enttäuschung leiten zu lassen, sondern vielmehr einen sozialen Konsens anzustreben, um das große Projekt der Modernisierung Spaniens fortzuführen.

Eine Schuld gegenüber der Jugend

Ein wichtiger Teil der Weihnachtsansprache des Königs richtete sich in diesem Jahr an die Jugend. Die jungen Menschen hätten ernste Schwierigkeiten aufgrund der geänderten Verhältnisse, welche die Wirtschaftskrise mit sich gebracht habe, und die er „Spielbrett mit neuen Regeln“ nannte. „Wir sind die Verantwortlichen für ihre Zukunft“, erklärte er unter anderem. Die jungen Spanier lebten in einer komplexen Realität, in einer technologischen Gesellschaft mit ständigen, schnellen Veränderungen, die immer neue Fragen aufwerfen, aber auf der anderen Seite immer neue Chancen bieten. „Ihr habt Talent, glaubt an den Frieden, Euch steht die Welt offen, weil Ihr Europäer seid. Ihr seid solidarisch und kümmert Euch um soziale Angelegenheiten und um den Umweltschutz. Ihr wollt leben und zusammenleben, aber Ihr habt ernsthafte Probleme“, räumte der Monarch ein. Er zeigte Verständnis für die Schwierigkeiten, vor denen junge Menschen Tag für Tag stehen, um sich nach einer langen, gründlichen Vorbereitung einen Platz in der Gesellschaft und auf dem Arbeitsmarkt zu sichern. Hier habe der Staat eine Verpflichtung ihnen gegenüber. „Wir müssen Euch helfen, damit Ihr Euer persönliches Projekt, einen Beruf mit gerechter Bezahlung, einen Ort, an dem Ihr lebt und wenn Ihr es wünscht, eine Familie zu gründen, verwirklichen könnt“.

König Felipe vergaß nicht die 48 Frauen, die im vergangenen Jahr Opfer von Gewalt wurden. Dabei gedachte er auch der 26-jährigen Lehrerin, die wenige Tage zuvor in einem Dorf bei Huelva auf grausame Art ermordet worden war.

Das Zusammenleben sei die wichtigste Rolle, welche die Jugendlichen einnehmen müssen, um das Ziel, ein Spanien zu schaffen, das sozial zusammenstehe, um die Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen zu realisieren.

Wie es schon Tradition ist, entbot König Felipe seine Grüße zum Weihnachtsfest und zum neuen Jahr in den vier offiziellen Sprachen Spaniens.




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