Es ist schmerzlich, auf so viel Geld zu sitzen


Ein Artikel von Ottmar Beck (Alltrust AG)

Aus der derzeitigen Schuldenkrise führen letztlich nur zwei Wege: Inflation oder Schuldenschnitt. Steigt die Inflation, die den realen Wert der nominalen Schulden senkt, um 3%, ist das bei einer zehnjährigen Anleihe ein 34%iger realer Schuldenschnitt.

Diese Inflationierung trifft alle. Nutznießer sind die staatlichen und privaten Schuldner. Damit würden vor allem Sparern sehr hohe Lasten aufgebürdet. Denn: Kommt es zu einem Schuldenschnitt in einem überschuldeten Land, tragen Investoren wie Pensionskassen, Banken, Direktanleger und Bankaktionäre die Verluste. Da das Finanzvermögen weltweit sehr konzentriert ist – meist befinden sich über 80% des gesamten Finanzvermögens in der Hand von nur 5% der Haushalte –, wird diese Gruppe besonders getroffen. Bisher wird versucht, über eine Inflationierung den ersten Weg zu gehen. Sollte dies in absehbarer Zeit jedoch nicht gelingen, wird mit Sicherheit der zweite Weg eingeschlagen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Anlagepolitik der Schweizer Nationalbank: Sie hat durch die Festlegung eines Mindestkurses für den Schweizer Franken große liquide Mittel angesammelt. Inzwischen wurden 10% dieser Mittel – 43 Milliarden Franken – in Aktien angelegt.

Die Vergangenheit hat uns auch gelehrt, dass nach der Beendigung einer kreditfinanzierten Phase der durchschnittliche Zinssatz auf 2% fällt und nach circa 14 Jahren dieses Niveau erreicht. 20 Jahre nach dem Beginn einer Krise liegt er immer noch bei nur 2,5%. Heute haben die Zinsen dieses Niveau fast erreicht und werden lange vor sich hindümpeln. Eine tragische Situation für jene 90% der Anleger, die vor allem auf festverzinsliche Wertpapiere setzen. Die Tragik: Wenn man Glück hat, wird man durch die Niedrigstzinsen trotz niedriger Inflationsrate durch negative Realzinsen enteignet. Anschließend wird dann, wenn man Pech hat, eine steigende Geldentwertung zu steigenden Zinsen und zu forcierter Enteignung durch fallende Kurse führen.

Diese Situation hat zu einigen Nebeneffekten geführt: Viele Anleger sind auf risikoreichere Anlagen ausgewichen, um überhaupt noch eine Rendite zu erzielen. Ein Beweis dafür ist das wachsende Anlagevolumen in hochverzinslichen Anleihen von Firmen und Schwellenländern. So hat die Nachfrage nach Anleihen von Polen, Ungarn und der Türkei zugenommen. Denn hier sind wesentlich höhere Zinsen als z. B. in Deutschland oder den USA zu erzielen. Der Zins auf eine Zehnjahresanleihe in türkischer Lira liegt bei ca. 8%, während in Deutschland gerade 1,4% und in den USA 1,6% gezahlt werden. Der Zufluss von ausländischem Geld hat auch die Währungen der Schwellenländer nach oben getrieben. Somit hat sich das Investment für den ausländischen Investor doppelt gelohnt. Darüber hinaus sehen die Kennzahlen vieler Schwellenländer besser aus als die der Industrieländer. Aber wir sollten nicht vergessen, dass bei einer nachhaltigen Verschlechterung der Situation in den Industrieländern die Rezession in den Schwellenländern auch unausweichlich ist. Und dann, wenn als Folge von fallenden Zinsen und schlechteren Fundamentaldaten ausländische Investoren in Massen ihr Geld wieder abziehen, werden automatisch auch diese Währungen schnell an Wert verlieren. Ein gutes Beispiel dafür ist der brasilianische Real.

Aktien hingegen sind einfach. Gehen sie rauf, verdienen Sie Geld. Gehen sie runter, verlieren Sie Geld. Festverzinsliche Wertpapiere sind komplizierter. Ihr Gesamtertrag ist eine Kombination aus Zins und Kurs. Steigen die Zinsen, fallen die Kurse. Und damit sinkt die absolute Rendite. Dass der Anleger am Ende 100% des investierten Betrages zurückbekommt, ändert daran nichts, denn inzwischen hat bei steigenden Zinsen die ebenfalls steigende Inflation ihr Werk vollbracht und Sie ärmer gemacht. Nachdem nun 30 Jahre lang die Zinsen gefallen sind und am Boden dahindümpeln, kann das klassische „Kaufen und Halten“ Obligationendepots in deutliche Schieflage bringen. Denn bereits ein kleiner Zinsanstieg oder die, verglichen mit dem Zins, hohe Inflationsrate kann zu einem negativen Ertrag führen. Bei einer Staatsanleihe, die einen Coupon von knapp über null hat, wird jeder Zinsanstieg zu einem negativen Gesamtertrag führen. Deswegen muss ein reines Anleihe-Portfolio heute viel stärker überwacht werden – mit der Konsequenz, dass innerhalb der Sektoren aktiv umgeschichtet und Restlaufzeiten laufend angepasst werden müssen.

Mehr Informationen?

Haben Sie Interesse? – Dann wenden Sie sich unter der Telefon-Nr.: 922 575496 an Herrn Robert Burlon oder unter 0041 79 4207493 an Herrn Ottmar Beck. Vom 12. bis 19. März stehe ich Ihnen auch gerne in Teneriffa zu einem Gespräch zur Verfügung.




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