Erstes Urteil im Skandalfall „iDental“


Ermittler beschlagnahmen Akten bei iDental. Foto: EFE

Ein Kreditinstitut muss für die Beendigung der abgebrochenen Behandlung eines Kunden aufkommen

Madrid – In den vergangenen Monaten sorgte der Skandalfall „iDental“ für Schlagzeilen. Nach Schätzung der Regionen hat die Kette zahnmedizinischer Zentren über 400.000 Patienten um ihre Behandlung und ihr Geld, Hunderte Mitarbeiter und Zulieferer um ihr Gehalt, ihre Sozialversicherungsbeiträge und ihre Bezahlung betrogen.
Die Masche der Betrüger war folgende: Die Gruppe bot Personen mit niedrigen und mittleren Einkommen Behandlungen mit erheblichen Rabatten an. Die Zielgruppe war bewusst ausgewählt worden, denn aufgrund der notwendigen Finanzierung von außen trat iDental als Vermittler von Verbraucherkrediten zwischen den Kunden und den Finanzinstituten auf. Auf diese Weise sicherte sich die Gruppe die Bezahlung der Behandlung, ohne selbst ein Risiko einzugehen. Nach Zusage seitens der Banken wurde die komplette Summe direkt an iDental überwiesen. Die Gründer der Gruppe, Vicente Castañer und Antonio Javier García Pellicer, überwiesen das Geld über ein Scheinfirmennetz an sich oder ihre Frauen weiter und zwar insgesamt mehr als 1,3 Millionen Euro. Im Juli 2017 brach das System zusammen, nachdem den Behandlungszentren über Jahre hinweg die Mittel entzogen und die Zulieferer nicht bezahlt worden waren. Doch dann betrat mit Luis Sans eine neue Figur die Bühne des groß angelegten Betrugs. Dieser erwarb iDental über die Investmentgruppe Weston Hill Capital. Sans war bereits mit Institutos Odontólogicos Asociados in dem Sektor vertreten, wo er eine ähnliche Masche verfolgte wie die der Gründer von iDental. Tatsächlich wiederholte er das Spiel bei iDental mit einem eigenen Scheinfirmennetz. Im Juni 2018 schlossen die letzten Zentren von iDental. Im Oktober 2018 wurden nach einer weitreichenden Razzia Sans, im Januar dieses Jahres dann Castañer und García Pellicer festgenommen. Alle drei befinden sich aktuell in Haft.
Der Nationale Strafgerichtshof untersucht in einem Hauptverfahren unter anderem die strafrechtlichen Vorwürfe des wiederholten Betruges, der Unterschlagung, der Urkundenfälschung. In einem weiteren Verfahren, das ebenfalls bei dem Nationalen Strafgerichtshof anhängig ist, wird der Betrug gegenüber der Sozialversicherung geprüft. Dabei wird nach zwei Etappen unterschieden: Der von Castañer und García Pellicer und der von Sans sowie zwei weiteren Angeklagten. Castañer und García Pellicer wird vorgeworfen, im Rahmen der Geschäftstätigkeit der 55 Unternehmen der Gruppe iDental zwischen 2015 und 2017 Schulden gegenüber der Sozialversicherung in Höhe von 8,5 Millionen Euro angehäuft zu haben. Unter der Leitung von Sans und den Brüdern Garrido López kamen weitere 16,1 Millionen Euro hinzu.
Im November erfolgte ein erstes Urteil im Rahmen des Skandalfalles. Ein Gericht in Valencia verpflichtete das Kreditinstitut EVO, die Kosten für die Beendigung einer von iDental abgebrochenen Zahnbehandlung in Höhe von 5.000 Euro zu übernehmen. Zwei Wochen vorher hatte sich José de la Mata, leitender Richter in den iDental-Verfahren vor dem Nationalen Strafgerichtshof, mit einem Vertreter des Gesundheitsministeriums getroffen, um Maßnahmen gegen die Banken zu ergreifen, welche die Kunden bedrängen, ihre Schulden auszugleichen.
Afade, die Plattform Betroffener von medizinischen Behandlungsfehlern, erklärte, man sei sehr zufrieden mit dem Urteil, weil eines ihrer Hauptargumente anerkannt wurde: dass die Finanzinstitute ihre Pflichten aus dem Vertrag erfüllen müssen. Die Betroffenen von iDental haben eine vollständige Behandlung bezahlt, nun muss der Finanzierer den restlichen Betrag bis zur Beendigung übernehmen, auch wenn dieser höher ausfällt als die ursprünglich angegebene und finanzierte Summe.
Das Gesetz ermöglicht es dem Verbraucher, gegenüber dem Darlehensgeber die gleichen Rechte einzufordern wie gegenüber dem Dienstleister.
Dieses Urteil gibt vielen Betroffenen, deren Behandlung einfach abgebrochen wurde, Hoffnung, auch bei denen, deren Behandlung mangelhaft war, minderwertige Materialien oder schlechte Implantate verwendet wurden.

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