Erstes Designer-Baby in Spanien geboren


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Javier kam mit einer großen Verantwortung auf die Welt: das Leben seines Bruders zu retten

Javier kam am 12. Oktober im Krankenhaus Virgen del Rocío in Sevilla auf die Welt. Die Freude seiner Eltern ist riesig. Jedoch nicht nur über den Familienzuwachs allein, sondern vor allem, weil Javier eine ihrer größten Hoffnungen erfüllen könnte.

Sevilla – Er soll nämlich das Leben seines sechsjährigen todkranken Bruders Andrés retten. Andrés leidet an Thalassämie, einer angeborenen und unheilbaren Blutarmut, auch Mittelmeeranämie genannt. Nur regelmäßige Bluttransfusionen halten den Sechsjährigen am Leben.

Javier ist das erste sogenannte Designer-Baby, das in Spanien auf die Welt kommt. Das bedeutet, nach künstlicher Befruchtung wurde der Mutter ein Embryo eingepflanzt, der vorher genetisch selektiert, also unter mehreren Möglichkeiten ausgesucht wurde. Im Klartext bedeutet das, die Wahl fiel auf einen Embryo, der den Gen-Defekt, der die Krankheit auslöst, nicht aufweist, und noch dazu besonders stark zu sein schien.

Das Blut aus der Nabelschnur des Babys wird jetzt für eine Rückenmarktransplantation verwendet. Die soll bei André die Produktion neuer Blutzellen ohne den Gen-Defekt auslösen. Die Operation soll in zwei Monaten stattfinden. Vier bis fünf Jahre später könnte Andrés, wenn alles gut geht, völlig gesund sein. Doch bereits einen Monat nach der Transplantation könnten die Bluttransfusionen eingestellt werden.

Javier sei sehr viel mehr als nur ein „Medikamenten-Kind“, versichern die Eltern. Soledad Puertas und Andrés Mariscal haben sich das Kind sehnlich gewünscht. „Und nicht nur, weil man uns gesagt hatte, dass er dazu beitragen könnte, seinen älteren Bruder zu retten.“

Nach Angaben der spanischen Gesundheitsbehörde werden derzeit 31 ähnliche Fälle überprüft, um festzustellen, ob die Genehmigung für die genetische Auslese erteilt werden kann.




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