Erste Steuerhinterziehung mit Hilfe von 500 Euro-Scheinen zur Anzeige gebracht


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Immobilie über einen Strohmann verkauft um Zugewinn-Steuer zu sparen

Ein Unternehmer möchte eine Immobilie an einen anderen verkaufen, ohne den erzielten Gewinn zu versteuern. Dafür sucht er sich einen Strohmann, der die Operation für ihn durchführt, den Betrag an den Verkäufer in 500 Euro-Scheinen zahlt und verschwindet, ohne die anfallende Steuer an das Finanzamt zu entrichten.

Madrid – So verlief die erste mutmaßliche Steuerhinterziehung unter Verwendung von 500er Scheinen, die in verdächtig großer Zahl in Spanien in Umlauf sind, und wird jetzt von der Staatsanwaltschaft untersucht.

120.000 Euro am Fiskus vorbei

Die Transaktion hat im spanischen Mittelmeerraum stattgefunden, betrug mehr als eine Million Euro und dem Fis-  kus hätten davon mindestens 120.000 Euro zugestanden. Die betreffenden Geldscheine liegen der Staatsanwaltschaft als Beweismittel vor.

Es handelt sich um die erste Strafanzeige der Finanzbehörde im Zusammenhang mit den Fünfhundertern, die in großer Zahl in Spanien auftauchen, was die Aufmerksamkeit der zuständigen Behörden erregt hat. Die Staatsanwaltschaft hat nun maximal sechs Monate Zeit um zu entscheiden, ob ein Verfahren eingeleitet wird. Die Finanzbehörden haben keine Kompetenzen das direkt zu veranlassen.

Nach mehreren Monaten eingehender Untersuchungen hat das zuständige Finanzamt eine komplette Akte zusammengestellt. Eine weitere steht kurz vor der Vervollständigung und wird in den nächsten Wochen bei der Staatsanwaltschaft eingehen.

Solange nicht feststeht, ob wirklich ein Strafverfahren eröffnet wird, will die zuständige Inspektionsabteilung des Finanzamtes keine näheren Einzelheiten bekannt geben, damit die Betroffenen nicht aufmerksam werden und wichtige Beweise vernichten können. Sie hat lediglich beschrieben, wie die mutmaßlichen Steuerhinterzieher vorgegangen sind:

Firma A möchte einen Immobilienbesitz verkaufen, aber den vollen Ertrag behalten, ohne die anfallenden Steuern zu zahlen. Der Trick ist, einen Mittelsmann einzuschalten, hier Firma B genannt. An die wird das Objekt zu einem geringen Preis ohne Gewinn verkauft und legal registriert aber es fällt kaum Steuer an. Firma B verkauft nun an Firma C, den eigentlichen Käufer, zu einem hohen Preis. Der Strohmann, die Firma B, zahlt den Kaufpreis auf ein Bankkonto ein und hebt den Betrag kurze Zeit später in 500 Euro-Scheinen ab. Er händigt das Geld an den Verkäufer, die Firma A, aus und verschwindet auf Nimmerwiedersehen.

Der Fiskus hat somit keine Chance, der falschen Firma auf die Spur und an sein Geld zu kommen.

Schwarzgeld: 2.100 Operationen

Bis Ende 2006 ist die Finanzbehörde rund 2100 verdächtigen Operationen auf die Spur gekommen, bei der „schwarzes Geld“ im Spiel war. In jedem dieser Fälle wurden mindestens tausend 500 Euro-Scheine als Zahlung verwendet, was bedeutet, dass es um Verkaufswerte von mindestens 500.000 Euro ging.

Inzwischen haben die Steuerbehörden die Akteure dieser Transaktionen  vorgeladen, um die Legalität festzustellen   oder nachzuweisen, dass mit schwarzem Geld bezahlt worden ist.




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