Erscheinen vor dem Senat abgelehnt


Das Monument Valle de los Caídos. Foto: godot13/wikipedia

Prior verweigert die Exhumierung von republikanischen Bürgerkriegstoten

Madrid – Immer wieder macht das „Valle de los Caídos“ – Nationalmonument des Heiligen Kreuzes im Tal der Gefallenen – die Grabstätte von Francisco Franco, Schlagzeilen.

An dem am 1. April 1959 eingeweihten Monument, das als signifikantes architektonisches Symbol des Franquismus gilt, gedenkt die spanische Rechte noch heute an jedem 20. November des Todestages des Diktators.

Nun ist es jedoch Santiago Cantera, der Prior der anliegenden Benediktiner-Abtei, dem die Pflege und Verwaltung der Anlage obliegt, der in diesen Tagen für Schlagzeilen sorgte.

Nachdem das Gericht von San Lorenzo del Escorial bereits 2016 zwei Familien von dort beigesetzten Bürgerkriegstoten das Recht zuerkannt hatte, die sterblichen Überreste ihrer hingerichteten Familienangehörigen zu exhumieren, weigert sich der Prior nach wie vor, die Tore der Grabstätte zu öffnen.

Einer Einladung des spanischen Senats für den 23. März, vor dem Prior Cantera die Gründe erklären sollte, weshalb er das Gerichtsurteil nicht respektiere, folgte er nicht. Vielmehr antwortet der Benediktiner-Abt, er habe nicht die Absicht, an dieser Sitzung teilzunehmen, da er seinen täglichen Pflichten nachkommen müsse. Gerne würde er die Senatoren im Kloster begrüßen und ihnen vor Ort die Gegebenheiten erklären. Die Senatoren der PP waren mit diesem Vorschlag einverstanden, während sich die Abgeordneten der übrigen Parteien dagegen aussprachen. „Erklärungen werden in einer Demokratie nicht im Mausoleum eines Diktators, sondern in den Institutionen abgegeben, die dafür zuständig sind“, hieß es unter anderem. Inzwischen wurde der Besuch der Parlamentarier offiziell abgesagt

Santiago Cantera erklärte, dass die Kongregation des Benediktiner-Ordens die Bedürfnisse der Familien, ihre Gefallenen an anderer Stelle beizusetzen, verstehen kann. Dass jedoch die Ruhe der übrigen Opfer, die dort beigesetzt sind, ebenfalls nicht gestört werden sollte. Vor allem aber könnten bei den Ausgrabungen strukturelle Probleme an der Basilika entstehen.

Weitere zwölf Familien haben inzwischen Klagen gegen den Prior eingereicht, da er auch ihnen die Exhumierung ihrer Familienangehörigen verweigert.

18.000 Opfer der Republikaner und 15.000 Tote, die auf Seiten Francos kämpften, sind im Valle de los Caidos begraben.

Eduardo Ranz, der Anwalt der betroffenen Familien, hatte gehofft, dass mit dem Erscheinen des Abtes vor dem Senat dieses bittere Kapitel geschlossen werden könnte, das die Öffentlichkeit seit mehr als zehn Jahren beschäftigt, sich aber nun fortzusetzen scheint. Bereits 1980 seien 133 Gefallene – Opfer aus Navarra – ohne Zwischenfälle oder negative Folgen exhumiert worden. Im Jahr 1990 seien Umbettungen dort Beigesetzter wegen eines Wassereinbruchs in der Sakristei erforderlich gewesen und mehrere Inspektionen im Jahr 2010 hätten keinerlei Ergebnisse gebracht.




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