Ermittlungsgeheimnis für einen Bären

Noch ist unklar, wie der Braunbär Cachou zu Tode gekommen ist. Foto: CONSELH GENERAU D’ARAN

Noch ist unklar, wie der Braunbär Cachou zu Tode gekommen ist. Foto: CONSELH GENERAU D’ARAN

Dieser Schutz wird erstmals über ein Untersuchungsverfahren zum Ableben eines Bären verhängt

Barcelona – In den Pyrenäen, im Gemeindegebiet Les, Vall d’Aran, nahe der französischen Grenze, wurde am 9. April der sechsjährige Braunbär Cachou am Fuße eines 40 Meter hohen Steilhanges tot aufgefunden. Die Umstände seines Ablebens haben sich bisher nicht eindeutig klären lassen. Die Obduktion, welche Spezialisten des Ökopathologischen Dienstes in der Universität Barcelona (UAB) durchführten, ergab kein eindeutiges Bild. Man stellte von außen zugefügte Verletzungen fest, die vor dem Tod des Tieres beigebracht wurden und von einem anderen Bären stammen und zusammen mit dem anschließenden 40 Meter tiefen Sturz zum Tod des Bären geführt haben könnten. Ansonsten waren am Körper von Cachou keinerlei Krankheitsanzeichen festzustellen. Die Kreisverwaltung von Vall d’Aran gab daraufhin bekannt, dass Cachou wahrscheinlich durch einen Angriff eines anderen Bären gestorben sei. Doch Tierschützer zweifelten diese Version an, vermuten eine Vergiftung des Braunbärenmännchens und organisierten Proteste dagegen, den Fall zu den Akten zu legen.
Mittlerweile ist im zuständigen Gericht in Vielha ein Verfahren wegen einer mutmaßlichen „Straftat gegen das Tierreich“ eröffnet worden, und die Richterin hat die Untersuchung unter das Ermittlungsgeheimnis gestellt. Es ist das erste Mal, dass in Spanien die Untersuchung des Todes eines Bären unter Geheimhaltung durchgeführt wird.
Tatsächlich hatte sich Cachou in den letzten Monaten einige Feinde gemacht, die ihm nach dem Leben hätten trachten können, indem er wiederholt Schafe und Fohlen riss. Es wurde in Erwägung gezogen, Cachou und ein weiteres Männchen namens Goiat, das ebenfalls durch die Jagd auf Nutztiere unangenehm aufgefallen war, aus dem Gebiet zu entfernen. Doch dies hätte das Projekt zur genetischen Regeneration der Braunbärenpopulation in den Pyrenäen um Jahre zurückgeworfen. Goiat und Cachous Vater Balou waren eigens dort angesiedelt worden, um die genetische Verarmung, die durch die über 20 Jahre währende Dominanz des Braunbären Pyros, stolzer Vater von 30 Nachkommen, entstanden ist, zu beenden.
Um weitere Übergriffe auf die Herden der Viehwirte zu vermeiden und ihren Unmut zu besänftigen, wurden die beiden Tiere mit Sendern ausgestattet. Die Umweltbehörde ging sogar so weit, den Kadaver eines Fohlens, das Cachou gerissen hatte, geringfügig mit einem Fungizid zu vergiften, damit dem Bären schlecht werden und ihm der Appetit auf diese Beute vergehen sollte. Ein Verfahren, das schon erfolgreich an Wölfen getestet worden war.
In den Pyrenäen leben rund 50 Bären. Ihre Anwesenheit dort ist vor allem unter den Viehhaltern umstritten. Öffentliche Diskussionen darüber flammen jedes Mal wieder auf, wenn ein Nutztier gerissen wird. Die Braunbärenstiftung „Fundación Oso Pardo“ sieht keinen Grund dafür und verweist darauf, dass in den kantabrischen Kordilleren sogar 300 Braunbären leben. Die Stiftung will in dem gerichtlichen Ermittlungsverfahren als Klägerin auftreten.

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