Equo – demokratisches Experiment ab Stunde null


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Uralde ist der Spitzenkandidat der neuen Grünen Partei

„Ich will nicht bestreiten, dass ich der favorisierte Kandidat bin, doch ich ziehe es vor zu warten, bis die Urnen geöffnet werden“, hatte Juan José López de Uralde, Exdirektor von Greenpeace Spanien, vor der Wahl der Kandidaten für die bevorstehenden Parlamentswahlen gesagt.

Madrid – Und die Urnen gaben schließlich eine eindeutige Antwort: Mit 84,2 Prozent der gültigen Stimmen wurde Uralde zum Spitzenkandidaten der Ökologen-Partei Equo bestimmt. Eine überwältigende Mehrheit, durch die sich der Kandidat bestärkt fühlt, das nächste Ziel anzustreben – einen Sitz im Parlament.

Für die Zusammenstellung der Listen in den verschiedenen Bezirken hat Equo ein offenes Abstimmungssystem entwickelt. Damit können die Wähler die Nummer des Postens auf der Liste wählen, auf dem die Aspiranten stehen, die sie vertreten sollen. Der einzige Faktor, welcher von der Partei vorgegeben ist – im Reißverschlussverfahren soll die gleiche Zahl Frauen und Männer auf der Liste aufgeführt sein.

Uralde bestreitet nicht, dass er eine sehr schwierige Aufgabe vor sich hat, wenn Equo in das Parlament einziehen soll. Doch die große Unterstützung, die ihm zuteil wird, gebe ihm den genügenden Impuls, um bis zum 20. November mit vollem Einsatz zu kämpfen.

Auf der Liste von Equo stehen 25 Kandidaten, auf dem zweiten Platz steht Juan Garay, der 59 Stimmen erhielt. Ein Beweis dafür, mit welch großer Mehrheit Uralde zum Präsidentschaftskandidaten bestimmt wurde. Jetzt muss Equo noch verschiedene Auflagen erfüllen und Avale vorlegen, um als neue Partei an den Wahlen teilnehmen zu können.

Gegenüber Kandidaten wie Mariano Rajoy und Alfredo Rubalcaba glaubt Uralde, dass er ein anderes Profil bietet, das nicht aus der Politik kommt. „Denn sonst gibt es wenig Neu­­es im politischen Panorama“, erklärte er den Medien. „Equo präsentiert ein Projekt, das versuchen will, Lösungen zu bieten, die aus der Bevölkerung kommen.“ In den kommen Wochen wird seine Arbeit sich darauf  konzentrieren, Equo und sein Programm bekannt zu machen, „…denn dass wir noch weitgehend unbekannt sind, ist unser größtes Handycap“, bedauerte er.

Empörung in die Politik tragen

„Durch die Empörung aktiver Bürger hat Equo sich formiert“, erklärte der Gründer der ersten grünen Partei in Spanien bei seiner Rede anlässlich seiner Proklamation zum Kandidaten für einen Abgeordnetensitz. „Eine Empörung, die von vielen Bürgern geteilt wird und die 35 örtliche und regionale grüne Parteien und Ökologen dazu bewogen hat, sich zu einem politischen Projekt zusammenzuschließen, um gegen die dreifache Krise zu kämpfen: die wirtschaftliche, soziale und ökologische. Wir von Equo glauben, dass es notwendig ist, auf die Straße zu gehen, aber das reicht eben nicht. Wir wollen die Institutionen erobern und die Politik an die Bürger zurückgeben“, erklärte Uralde mit einem klaren Hinweis auf die Protestbewegung 15-M, die wochenlang die spanischen Großstädte, vor allem aber die Hauptstadt Madrid in Atem hielt.

In seiner Rede im Rahmen der Grünen Sommeruniversität, die Equo im Ateneo in Madrid veranstaltet hatte, legte der Kandidat die wichtigsten Linien seines Wahlprogramms dar, die jetzt im sozialen Netzwerk unter Equomunidad diskutiert wird. Die Partei wünscht, dass dieses Werkzeug die Teilnahme und Interaktion mit den Bürgern fördert. „Es ist sehr wichtig, dass wir sagen, was wir tun wollen“, erklärte Uralde an anderer Stelle.

Eine der großen Säulen, auf die sich die Vorschläge von Equo stützen, sei der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, hatte der Kandidat bei einem Gespräch mit den Medien mitgeteilt. Es sei das Problem, dass die Spanier am meisten beunruhigt. Wie im „Neuen Grünen Abkommen“ vorgesehen, das von der Partei der Grünen Europas vorgestellt wurde, der Equo ebenfalls angehört, soll eine grüne Wirtschaft angekurbelt werden, durch den Ausbau von Sektoren wie die ökologische Landwirtschaft und die behutsame Mobilität.

Was die wirtschaftliche Krise betrifft, so vertritt Equo die Meinung, dass die Antworten an die Märkte von einem neuen Europa kommen müssen. Ein Europa der Menschen und der Umwelt und nicht der Märkte. Es sollten europäische Rating-Agenturen geschaffen werden. Die Partei setzt auf Euro-Bonds und eine Transaktionssteuer.

Um die ökologische Krise zu bekämpfen, verlangt sie ein neues Energie-Modell, die Schließung der Atomkraftwerke und eine Energieversorgung, die zu hundert Prozent auf erneuerbaren Quellen basiert.




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