Energieausweis stiftet Verwirrung


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Die Einführung des Energiepasses in Spanien verläuft ungeordnet

Die Einführung des Energieausweises (Certificado energético) für Häuser und Wohnungen sorgt bei Vermietern und Verkäufern für ein gerüttelt Maß an Verwirrung. Preiskrieg, Fernbegutachtungen und Unwissenheit prägen die ersten Wochen und Monate der verspäteten Umsetzung der EU-Richtlinie 2010/31/EU in Spanien.

Madrid – In den vergangenen drei Monaten sind die Energieeffizienz-Daten von rund 170.000 Immobilien registriert worden. Noch nicht sehr viele, wenn man bedenkt, dass in Spanien 3,4 Millionen Wohnungen leer stehen, also auf Verkauf oder Vermietung warten und sich damit genau in der Situation befinden, in der die betreffenden Eigentümer verpflichtet sind, den Grad der Energieeffizienz des Hauses in ihren Angeboten auszuweisen und Interessenten auf Verlangen den Energiepass vorzulegen. Kommt der Hauseigentümer dieser Verpflichtung nicht nach, drohen Bußgelder zwischen 300 und 600 Euro.

Noch herrscht bei den meisten Betroffenen die Unwissenheit über die neue Richtlinie vor. Meist sind es die Immobilienmakler, die als Überbringer der unliebsamen Botschaft den Unmut ihrer Kunden über diese „Geldschneiderei“ ertragen müssen. Die spanische Regierung verantwortlich zu machen, ist hier jedoch einmal nicht angebracht, denn es handelt sich um eine Richtlinie der EU mit dem Ziel, die Energieeffizienz von Gebäuden nach und nach zu erhöhen und das CO2-Aufkommen der privaten Haushalte zu reduzieren. Spanien hat sich wacker dagegen gesträubt und den Energieausweis erst mit erheblicher Verspätung und nach Verhängung von Bußgeldern in Millionenhöhe eingeführt.

Nach der Erstellung des Energieausweises durch einen Architekten oder Ingenieur, muss dieser dann in ein regionales Register eingetragen werden. Bei der Einrichtung der Registrierungsstellen lassen sich die Autonomen Regionen unterschiedlich viel Zeit. Madrid und Katalonien liegen dabei ganz weit vorn, was sicherlich der Grund ist, warum sich zwei Drittel aller bisher registrierten Häuser in diesen beiden Autonomien befinden. In Aragonien dagegen kann es noch kein einziges Energiezertifikat geben, das schon eingetragen ist, denn hier soll das Register erst in acht Monaten seine Tätigkeit aufnehmen. In anderen Regionen gibt es noch Anfangsschwierigkeiten, wie zum Beispiel in Andalusien, wo es Probleme mit der Online-Registrierung gibt.

Auch in Bezug auf die Frage, welche Honorare für die Ausstellung des Energiepasses angemessen sind, ist noch einiges unausgegoren. Für eine Wohnung von 80 bis 100 Quadratmetern beispielsweise reicht die Bandbreite möglicher Preise bisher noch von 35 bis 200 Euro.

Befremdlich ist auch die Praxis mancher Fachleute, den Energiepass auszustellen, ohne die betreffende Immobilie persönlich in Augenschein genommen zu haben. Sie führt den eigentlichen Zweck des Zertifikats, die tatsächliche Energieeffizienz festzustellen und individualisierte, fachmännische Beratung zu Energiesparmöglichkeiten zu geben ad absurdum. Doch das Gesetz hat hier eine Grauzone belassen, weil nicht ausdrücklich darin steht, dass der Experte sich selbst vor Ort ein Bild machen muss. So kommt es vor, dass sich die Analyse des Hauses auf eine telefonische Befragung des Hausherren beschränkt. Die Autonome Region Katalonien arbeitet schon an einer eigenen Durchführungsverordnung, die diese Vorgehensweise unterbinden soll. 

Einige wenige Anbieter haben sogar die Stirn, die unsachgemäße Einstufung in die beste Effizienzstufe A anzubieten. Und das, obwohl es in Spanien nur sehr wenige Häuser gibt, die die Bewertung A oder B erreichen können. In Katalonien zum Beispiel sind nur 0,1% aller bisher registrierten Häuser mit A bewertet worden.

Deshalb fordert die Kammer der Industrie-Ingenieure, die Energiepässe aller Häuser, die mit A oder B bewertet werden, zu überprüfen. In Madrid sind diesbezüglich sogar schon mehrere Bußgeldverfahren eröffnet worden.




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