Ende des „Sklaventums“ der Menschenaffen gefordert


© Great Ape Project

Den „genetischen Brüdern des Menschen“ sollen Grundrechte eingeräumt werden

Ein vom Grünen-Abgeordneten Francisco Garrido eingebrachter Entschließungsantrag zum Schutz der Menschenaffen hat Ende April nicht nur im Parlament, sondern spanienweit für viel Aufsehen gesorgt.

Madrid – Garrido, der sich der sozialistischen Fraktion angeschlossen hat, will mit seiner Initiative erreichen, dass das „Sklaventum der Menschenaffen“ (Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und Zwergschimpansen) endlich ein Ende findet, mit ihrer Misshandlung und ihrem Handel aufgehört wird. Auch sollen sie nicht mehr von der Wissenschaft als Versuchskaninchen benutzt werden dürfen oder im Zirkus zur Belustigung des Publikums auftreten müssen. Des Weiteren soll ihr natürlicher Lebensraum geschützt und in Gefangenschaft lebende Exemplare befreit werden.

All diese Punkte sind Teil des Entschließungsantrags, der jetzt eingebracht wurde und Ende Mai im Abgeordnetenkongress debattiert werden soll.

Überzeugt werden sollen die Abgeordneten von Joaquín Araújo und Pedro Pozas, den beiden Verantwortlichen in Spanien für die internationale Bewegung zur Befreiung der Menschenaffen Great Ape Project („Proyecto Gran Simio“ in Spanien). Grundgedanke dieser Bewegung ist „diese genetischen Brüder des Menschen vor Misshandlung und Tod“ zu schützen.

Die Idee, diesen Tieren im Vergleich zu anderen eine besondere Behandlung zukommen zu lassen, ist nicht etwa neu. So verteidigt auch Garrido die Besonderheit der Menschenaffen, die fähig sind, eine Sprache zu entwickeln, Kenntnisse weiterzugeben oder gemeinschaftliche Projekte zu verfolgen. „Die grausame Wirklichkeit unseres Umgangs mit ihnen hat sie jedoch an den Rand des Aussterbens geführt“, so heißt es in dem Text des Entschließungsantrags unter anderem. „Deswegen bitten wir die Regierung darum, sich dem Projekt Menschenaffen anzuschließen und die notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Menschenaffen in den internationalen Foren und Organisationen zu unterstützen.“

Nach Angaben Garridos ist die Initiative mit dem spanischen Umweltministerium abgesprochen. Doch nicht überall trifft das Ansinnen auf Verständnis und Unterstützung. Während die mildeste Kritik noch darin besteht, dass es ja wohl dringlichere Angelegenheiten zu regeln gäbe, wurde beispielsweise der Erzbischof von Pamplona und Tudela, Fernando Sebastián, schon deutlicher. Exzessives Fortschrittsstreben könne nur in Lächerlichkeit enden, meinte er unter anderem und bedauerte, dass den Affen anerkannt werden soll, was menschlichen Embryonen aberkannt werde.

Die neue Vorsitzende von Amnesty International in Spanien, Delia Padrón, wunderte sich ihrerseits, dass hier für die „Menschenrechte der Affen“ eingetreten werden soll, während immer noch viele Menschen kein Anrecht darauf hätten.

Garrido setzte dem energisch entgegen, es gehe bei der Bewegung in keiner Weise darum, den Affen Menschenrechte zuzusprechen, eventuelle Missverständnisse seien auf eine schlechte Übersetzung der Website der Bewegung (http://www. proyectogransimio.org) zurückzuführen.

Umweltministerin Cristina Narbona bekräftigte diese Aussage und erklärte, dass das Umweltministerium die Initiative unterstütze. Wenn Spanien die Initiative absegnet, wäre es nach Neuseeland weltweit das zweite Land, das den Menschenaffen diesen Schutz zukommen lässt.




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