El Cabanyal blickt in die Zukunft


Eine Häuserfront in El Cabanyal. Foto: EFE

Ein malerischer Ort kehrt zum Leben zurück

Valencia – Der im Osten von Valencia gelegene Stadtteil „El Cabanyal“ kann wieder in die Zukunft schauen. Das einstige Fischerviertel war von 1837 bis 1897 ein unabhängiger Ort namens „El Poble Nou de la Mar“, das neue Dorf des Meeres. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die kleine Ortschaft in Valencia eingegliedert und hat seitdem viele Höhen und Tiefen erlebt.

Noch heute sind die „Wunden“ aus der Zeit zu sehen, zu der die damalige Bürgermeisterin der PP, Rita Barberá, 1998 das historische Viertel niederreißen wollte.

Die 1.650 zweistöckigen Häuser, das unverkennbare Merkmal von El Cabanyal, sollten dem Erdboden gleichgemacht werden. An ihrer Stelle würde eine Allee direkt zum Strand führen.

In den Straßen des ehemaligen Fischerviertels stehen noch heute die Reste teilweise abgerissener Häuser. Aber auch Baumaschinen, die mit dem Wiederaufbau beginnen.

2009 hatte die sozialistische Ministerin Ángeles González Sinde das rettende Dekret unterzeichnet, das dem ehemaligen „Dorf des Meeres“ wieder eine Zukunft garantieren sollte.

Doch der Kampf der Bewohner geht weiter. Die verbliebenen Gebäuderuinen sind zu Unterkünften für Hausbesetzer geworden, die ihre eigenen Gesetze walten lassen. Drogen, Lärm und Schmutz halten die Bürger, die in ständiger Angst leben, in Schach,

Isabel ist Fischfrau auf dem Markt, sie geht nicht mehr alleine vor die Haustür. Ihre Nachbarin Mónica spricht von den Zeiten, in denen ihr Großvater seine Elektroarbeiten mit Orangen bezahlt bekam. „Jeder kannte sich hier im Cabanyal, wir lebten mit offenen Türen“, das ist heute undenkbar.

Einige Häuser weiter steht ein „Agüero“ vor einem verfallenen Haus, in dem mit Drogen gehandelt wird. „Agüeros“ sind Aufpasser, die zur Warnung „Agua“ rufen, wenn die Polizei naht.

Langsam siedeln sich aber auch wieder Geschäfte in „El Cabanyal“ an. Javier ist das Risiko eingegangen und hat, mit Erfolg, ein Feinschmeckerlokal eröffnet. Nun hofft er, dass neue Infrastrukturen geschaffen werden, und dass vor allen Dingen Hausbesetzer und Drogenabhängige aus dem Stadtbild verschwinden. Er ist der festen Überzeugung, dass das Fischerviertel seinen alten Liebreiz wiederfindet.




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