Eine Spanierin die erste Frau im Vorstand von BMW


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Ihr unterstehen 100.000 Angestellte in allen fünf Erdteilen

Ihre Eltern bewirtschafteten einen kleinen Bauernhof in der Nähe von Ourense/Galicien, als sie vor 47 Jahren beschlossen, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Müde der großen Armut, die in dieser Zeit in ihrem Heimatland herrschte, beschlossen sie, nach Deutschland auszuwandern. Damals konnten sie sich sicher nicht vorstellen, dass ihr dreijähriges Töchterchen Milagros einmal die erste Frau sein würde, die einen Vorstandsposten bei BMW bekleidet, und 100.000 Angestellte in allen fünf Erdteilen unter ihrer Leitung haben würde.

München – Die kleine Familie aus Galicien ließ sich in einem idyllischen Dorf im Sauerland in Nordrhein-Westfalen nieder. Das Wirtschaftswunder hatte seinen Lauf genommen, und überall wurden Arbeitskräfte gesucht. Die damalige deutsche Regierung schloss mit verschiedenen europäischen Ländern Verträge ab, um sogenannte Gastarbeiter anzuwerben. Zunächst mit Italien, später auch mit Spanien, Portugal, der Türkei, Marokko, Griechenland und Tunesien.

„Meine Eltern waren Immigranten“, erinnert sich Milagros beim Gespräch mit einer spanischen Zeitung. „Sie waren Bauern und wir hatten genügend zu essen, aber sie wollten eine bessere Zukunft für sich und ihre Kinder.“ Deshalb hätten sie von Anfang an darauf geachtet, dass die Kinder zweisprachig aufwachsen. Glücklicherweise habe sie keinerlei Probleme in der Schule gehabt und sehr schnell Deutsch gelernt, berichtet Milagros weiter. Ihre Mutter habe in einer Fabrik gearbeitet, denn unglücklicherweise sei ihr Vater sehr bald krank geworden.

Heute lebt ihr Vater nicht mehr, aber ihre Mutter verbringt die Sommermonate in ihrer spanischen Heimat, und während des Winters lebt sie bei ihrer Tochter in Deutschland. Sie konnte erleben, wie diese zu einer der einflussreichsten Frauen in der deutschen Autoindustrie aufgestiegen ist. Im Juni vergangenen Jahres gab BMW, einer der begehrtesten Arbeitgeber in Deutschland, bekannt, dass Milagros Caiña-Andree die erste Frau sein werde, die einen Sessel im Vorstand des Unternehmens einnimmt, den des Personalchefs. Damit wurde sie das zweite ausländische Vorstandsmitglied bei BMW neben dem Engländer Ian Robertson, Verkaufs- und Marketing-Chef des Unternehmens.

1984 hatte Milagros eine Stelle bei einer Firma für Eisenbahntechnik und –infrastruktur im Sauerland angenommen. Dort arbeitete sie 22 Jahre lang und brachte es bis zur Personalchefin von mehr als fünftausend Angestellten und einem Posten im Vorstand des Unternehmens.

2006 wechselte sie zur Deutschen Bahn und 2011 übernahm sie dort die Logistik-Abteilung mit 60.000 Mitarbeitern. In dieser Zeit lebte sie in Berlin, bis sie im vergangenen Jahr zu BMW nach München berufen wurde.

Milagros Caiña-Andree öffnet die Türen von BMW in Deutschland für Ausländer. Allein 2012 stellte das Unternehmen 4.000 Personen ein, 700 davon waren Ausländer. „Um die Zukunft eines Unternehmens zu sichern, ist es unverzichtbar, über qualifizierte Mitarbeiter zu verfügen sowohl aus dem eigenen Land als auch von außen. Für unser Unternehmen ist die Mitarbeit von Personen unterschiedlicher Herkunft von Vorteil“, versichert sie. Bei BMW in Deutschland arbeiten mehr als hundert Spanier.

Vor knapp einem Monat erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine Anzeige, welche besagte, das Unternehmen habe beschlossen, ein Pilotprogramm ins Leben zu rufen. 25 junge Spanier sollten ausgewählt werden, um sie während eines Jahres beim Firmensitz in München auszubilden. Es solle eine Geste sein, ein Beitrag zur beruflichen Entwicklung der jungen Spanier. Man wolle damit auch etwas an die Länder zurückgeben, in denen BMW seine Autos verkauft. Eine Initiative, die ein Sandkörnchen sein soll, um die unglaublich hohe Jugendarbeitslosigkeit von 55 Prozent zu senken.

Die Ausgewählten, zwischen 18 und 25 Jahren, werden 12 Monate lang in die deutsche Kultur eintauchen, in Gastfamilien der BMW-Mitarbeiter leben und in den Abteilungen für Entwicklung, Verkauf und Marketing ausgebildet. Es ist das Ziel, dass sie anschließend in ihr Heimatland zurückkehren, um dort die erworbenen Kenntnisse praktisch anzuwenden und zwar bei BMW-España oder bei den Konzessionären in Spanien. „Die Quote der Jugendarbeitslosigkeit von mehr als fünfzig Prozent ist eine Katastrophe“, bedauert Milagros. Wenn sich dieses Pilotprojekt bewährt, soll es auch auf andere Länder angewendet werden, wo ebenfalls viele junge Menschen arbeitslos sind, wie Italien, Portugal und Griechenland.




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