„Eine neue Katastrophe ist jederzeit möglich“


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Vier Jahre nach dem Untergang des griechischen Tankers Prestige findet sich immer noch Öl im Sand Galiciens

Am 13. November jährte sich zum vierten Mal die fatale Havarie des griechischen Öltankers Prestige vor der galicischen Küste, Auslöser einer der größten Umweltkatastrophen Spaniens. Während auf nationaler Ebene das Thema nur noch am Rande zur Sprache kommt, ist für die Einwohner Galiciens, der von der Ölkatastrophe am meisten betroffenen autonomen Region, die Angelegenheit noch längst nicht abgeschlossen.

Santiago de Compostela – Und so demonstrierten auch über 2.000 Personen am Vorabend des traurigen Jahrestages in Santiago de Compostela, um zu verhindern, dass das Desaster in Vergessenheit gerät. Vor allem aber, um darauf aufmerksam zu machen, dass vier Jahre nachdem sich bei dem Untergang des havarierten Tankers fast 70.000 Tonnen Schweröl ins Meer ergossen, immer noch keine entscheidenen Maßnahmen ergriffen wurden, um eine derartige Umweltkatastrophe in Zukunft zu verhindern. Demnach marschierten die von der galicischen Bürgerinitiative Nunca Máis („Nie wieder“) aufgerufenen Demonstranten auch unter dem Motto „Ein anderes Prestige ist jederzeit möglich. Lasst es uns verhindern“. Nach Angaben von Nunca Máis-Sprecher Rafael Villar durchqueren jährlich über 14.000 Transportschiffe mit „gefährlicher Ladung“ das Meer vor der galicischen Küste.

Ein Jahr nach dem Öldesaster vermeldeten Experten, dass die Wasserqualität in der betroffenen Zone schon fast wieder ihren Normalzustand erreicht habe. Doch der hoffnungsvolle Schein trügt, denn vier Jahre nach dem Tankerunfall sind die Anzeichen für die Tonnen von Schweröl, die sich an jenem fatalen Tag und nicht zuletzt aufgrund des verantwortungslosen Missmanagements der damaligen konservativen Regierung ins Meer ergossen, beim genaueren Hinsehen noch überall zu entdecken. An vielen der nach der Ölkatastrophe durch die uneigennützige und mühselige Arbeit tausender freiwilliger Helfer gesäuberten Stränden von Fisterra genügt es, etwa einen Meter tief zu graben, um immer noch auf Ölschlacken zu stoßen. Und auch bei jedem Sturm werden die Einwohner an der Küste Galiciens angesichts der angeschwemmten Ölteppiche und Schlacken erneut an das Desaster erinnert.

Wissenschaftler des spanischen Instituts für Ozeanographie haben opportunerweise wenige Tage vor dem Jahrestag an der Stelle, an welcher der Öltanker vor vier Jahren gesunken ist, ca. 250 Kilometer von der galicischen Küste entfernt, Ölteppiche entdeckt, die eine bis zu zwei Zentimeter dicke Schicht aufweisen. Bislang ist zwar nicht zu hundert Prozent erwiesen, dass es sich um Prestige-Öl handelt, doch die Wahrscheinlichkeit sei hoch, so ein Sprecher des Instituts.




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