Eine halbe Stunde in Prag


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Erstes offizielles Treffen zwischen Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero und US-Präsident Barack Obama

Obwohl sich die spanische Regierung redlich darum bemühte, sich angesichts des bevorstehenden ersten Treffens zwischen Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero und US-Präsident Barack Obama nichts anmerken zu lassen, lag die Bedeutung dieses Ereignisses regelrecht in der Luft.

Madrid/Prag – Nicht nur, weil es der ers­te direkte Kontakt zwischen den Regierungschefs Spaniens und der Vereinigten Staaten war, seitdem Ex-US-Präsident George W. Bush José Luis Rodríguez Zapatero mit Funkstille strafte, weil dieser als erste Amtshandlung im April 2004 die spanischen Truppen aus dem Irak abzog. Die Tatsache vom US-Präsidenten empfangen zu werden, bedeutet für den Ministerpräsidenten auch endlich Anerkennung für Spanien auf internationaler Ebene, deren Verlust ihm seit Jahren von der oppositionellen Volkspartei vorgeworfen wurde.

Das Treffen fand am 5. April in Prag statt, wo beide Regierungsoberhäupter anlässlich des Europa-USA-Gipfels verweilten. Obwohl nur 30 Minuten für den Termin angesetzt waren, unterhielten sich José Luis Rodríguez Zapatero und Barack Obama zehn Minuten länger als vorgesehen. Minis­terpräsident Zapatero hatte schon im Vorfeld festgestellt, dass er Obama Spaniens gesamte Unterstützung zusichern würde. „Man muss sich nicht fragen, was Barack Obama machen kann, sondern, was wir machen können, um Obama und seine Vorstellung einer internationalen Ordnung zu unterstützen, damit er sein Ziel erreicht“, so der Regierungs­chef wörtlich.

Obama seinerseits zeigte sich zuversichtlich, ob der guten Beziehungen, die die USA in Zukunft mit Spanien unterhalten werden. „Ich hoffe, dass die Beziehung, die schon jetzt sehr gefestigt ist, es noch viel mehr sein wird und ich heiße die Möglichkeit einer Zusammenarbeit auf neuen Gebieten willkommen“, meinte Obama unter anderem im Vorfeld des Treffens lä­chelnd. Zapatero gegenüber erklärte er den versammelten Medienvertretern: „Ich bin froh, ihn meinen Freund nennen zu können.“

Während des Treffens selbst wurden unter anderem gegenseitige Besuchstermine vereinbart, wobei allerdings noch keine genauen Daten zur Sprache kamen. Spätestens im ers­ten Quartal 2010 wird Obama ohnehin nach Spanien kommen, da in dieser Zeit ein weiterer EU-USA-Gipfel vorgesehen ist. Da Spanien zu diesem Zeitpunkt den EU-Ratsvorsitz führen wird, ist der Standort des Treffens mit großer Wahrscheinlichkeit auf der iberischen Halbinsel. Zapatero seinerseits wird voraussichtlich im September zur UN-Generalversammlung  und einem neuen Treffen der G-20-Staaten in die Vereinigten Staaten reisen. Im Rahmen dieser Reise dürfte auch ein Termin in Washington auf dem Programm stehen.

Nach inoffiziellen Angaben erklärte Zapatero Obama im Rahmen dieses ersten Treffens auch die Gründe für die eisige Stimmung, die zwischen ihm und Obamas Vorgänger George W. Bush herrschte. Dabei habe er dem US-Präsidenten auch deutlich gemacht, dass er volles Vertrauen darin habe, die bilateralen Beziehungen nun neu aufzubauen.

Obama seinerseits versicherte, ein Beispiel dafür sei die Tatsache, dass Spanien sich bereit erklärt habe, noch mehr Soldaten nach Afghanistan zu schicken.




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