Eine 480 km lange Menschenkette am Nationalfeiertag


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Die Unabhängigkeitsbewegung Kataloniens lässt die Muskeln spielen

Die katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen haben während der „Diada“, dem Nationalfeiertag der Region, ihren Druck auf die Madrider Regierung verdoppelt. Eine mehr als vierhundert Kilometer lange Menschenkette durchkreuzte Katalonien von Norden nach Süden, von der französischen Grenze bis zur Grenze zur Region Valencia.

Barcelona – Und die Botschaft war unmissverständlich: Ein Referendum über die Selbstbestimmung Kataloniens mit einer klaren Fragestellung noch 2014.

Die Asamblea Nacional Catalana ANC, eine Volksbewegung, deren Ziel die Unabhängigkeit Kataloniens ist, hatte dazu aufgerufen, am Día de Diada die „Vía Catalana para la Independencia“ – die Straße der Unabhängigkeit – zu bilden. Eine gelbe Flut überschwemmte buchstäblich die 480 Kilometer dieser Straße, an der Menschen in gelben T-Shirts von El Pertús an der französischen Grenze bis Alcanar bei Tarragona eine Kette bildeten, ohne dass eine einzige Lücke entstand.

Das Innenministerium kalkuliert, dass allein in Barcelona mehr als eine halbe Million Menschen auf den Beinen war, was zu Staus auf den wichtigsten Straßen führte. Die Zone, in der sich die wichtigsten öffentlichen Gebäude befinden, war abgesperrt. Dort waren Tribünen und reservierte Plätze für die Autoritäten aufgebaut. Der Platz vor dem Camp Nou, dem Stadion des FC Barcelona, und das Stadion selbst, waren mit einer vielfachen Menschenkette umgeben.

ANC hatte eine logistische Glanzleistung vollbracht. Die Vía Catalana verfügte über mehr als 5.000 Freiwillige, die als Ordner dafür sorgten, dass die Manifestanten am Verlauf der Strecke verteilt waren. Die Provinz Tarragona, am unteren Ende sozusagen der Grenzbezirk, erlebte einen wahren Exodus, nachdem ANC dazu aufgerufen hatte, die Strecke in der Zone des Flusses Ebro abzudecken. Es bildeten sich Autoschlangen bis zu 60 km, und schließlich mussten sich die Teilnehmer sogar in Doppelreihen aufstellen.

Die katalanische Unabhängigkeitsbewegung hat mit dieser Massenveranstaltung eine Demonstration der Stärke erreicht, um die sie sich bereits seit Monaten bemüht hatte. Damit will sie die Regierung von Mariano Rajoy davon überzeugen, dass die Forderung nach einem Referendum keine vorübergehende Laune einer Minderheit ist. Die Bürgerinitiative ANC, die von der CiU, der nationalistischen Regierung Kataloniens unterstützt wird, konnte sich über eine massive Teilnahme freuen. Die Organisatoren verlangen, dass die Volksabstimmung spätestens im kommenden Jahr stattfindet. Sie wollen nicht nur auf die Madrider Regierung Druck ausüben, die sich mit allen Mitteln gegen diese Pläne sträubt und bereits das Verfassungsgericht angerufen hat, sondern auch auf den Präsidenten der Regionalregierung, Artur Mas, damit dieser „bei der Stange“ bleibt. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass geheime Gespräche zwischen Rajoy und Mas stattgefunden haben. Erst vor einigen Tagen hatte Mas unerwartet die Bemerkung gemacht, man könne die Volksabstimmung eventuell auf 2016 verschieben und mit den Wahlen kombinieren, was gleich die Verantwortlichen der ANC auf den Plan gerufen hat. Sie befürchten, dass sich ein Deal zwischen den beiden Regierungschefs anbahnt, bei dem wirtschaftliche Gründe eine Rolle spielen könnten, denn die Regionalregierung von Katalonien hat schwerwiegende Finanzprobleme und ist stark verschuldet.

Regierungschef Artur Mas hat übrigens nicht direkt an der Veranstaltung der „Vía Catalana“ teilgenommen, weil er die Institution, welcher er vorsteht, nicht damit in Verbindung bringen wollte. Doch zahlreiche Mitglieder seines Kabinetts nahmen teil, und es ist völlig klar, dass die Regierung aus dieser enormen Volksbewegung Kapital schlagen will. Francesc Homs, Ressortchef für Präsidentschaftsangelegenheiten, hat Präsident Rajoy bereits darauf hingewiesen, dass er angesichts dieser Mobilisierung der katalanischen Bevölkerung nicht mit verschränkten Armen zuschauen könne. Die Basis der Unabhängigkeitsbewegung forderte er auf, diesen Ausdruck des Volkswillens politisch zu nutzen.

ANC ist stolz auf den enormen Erfolg der Menschenkette und will in einigen Tagen ein Mega-Foto von der „Vía Catalana para la Independencia“ vorstellen. 800 Fotografen haben dafür bis zu vierhundert Mal jedes Teilstück fotografiert, um zu beweisen, dass sie Katalonien am Tag der „Diada“ tatsächlich von Norden nach Süden durchkreuzte.




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