Ein Stückchen La Mancha im iPhone?


© Elvira S. Uzabal - elbeewa

Bei Torre de Juan Abad sollen Seltenerdmetalle abgebaut werden

Das spanische Unternehmen Quantum Minería bereitet den Abbau von sogenannten „Metallen der Seltenen Erden“ nahe dem Dorf Torre de Juan Abad (Provinz Ciudad Real, Kastilien-La Mancha) vor. Zu den Metallen der Seltenen Erden gehören 17 Seltenerdmetalle, die insbesondere in der Hochtechnologie-Industrie beispielsweise zur Herstellung von Computern, Fernsehern, Windkraftanlagen oder Magneten verwendet werden.

Der größte Teil der weltweiten Förderung stammt aus China (2014: 86%), womit der asiatische Gigant eine Vormachtstellung einnimmt, die in der Vergangenheit auch ausgenutzt wurde. So benutzte China die Versorgung mit Seltenerdmetallen als Druckmittel gegenüber Japan, um die Freilassung eines verhafteten chinesischen Kapitäns zu erzwingen, der ein Boot der japanischen Küstenwache gerammt hatte. Im Jahr 2010 beschränkte die Volksrepublik den Export, wurde jedoch von den USA, der EU und Japan vor der WTO verklagt und hob die Exportbeschränkungen wieder auf. Der „Zwischenfall“ war den großen Industriemächten eine Lektion, denn nun wurde die weltweite Suche nach Seltenerdmetallen verstärkt und große Vorkommen in Grönland und Skandinavien entdeckt. Aufgrund der vollständigen Abhängigkeit vom Importgeschäft hat Europa das EURARE-Programm ins Leben gerufen.

In Europa werden Seltenerdmetalle derzeit noch nicht abgebaut, doch sind erste Vorhaben auf den Weg gebracht worden. Quantum Minería beispielsweise hat ein Vorkommen bei Torre de Juan Abad, einem kleinen Dörfchen in der landwirtschaftlich geprägten Provinz Ciudad Real (Kastilien-La Mancha) entdeckt. Auch wenn es sich um ein relativ geringes Vorkommen handelt, soll sich der Aufwand aufgrund der hohen Anteile besonders gefragter Elemente wie Neodym, Praseodym und Europium lohnen. Kathryn Goodenough, britische Geologin und Mitglied von EURARE, erklärte, innerhalb Europas handele es sich bei den Vorkommen von Norra Karr in Schweden und von Torre de Juan Abad um die vielversprechendsten. 

Quantum Minería soll im Gebiet zwischen Torre de Juan Abad und Torrenueva Tausende Hektar untersucht und das Vorkommen abgegrenzt haben. Laut einer Tageszeitung bereite das Unternehmen derzeit die Antragsverfahren zum Abbau der dort vorhandenen Seltenerdmetalle vor. 

Die rund 1.100 Einwohner von Torre de Juan Abad sind noch nicht über das Vorhaben in Kenntnis gesetzt worden, nur Bürgermeister José Luis Rivas (PSOE) weiß von dem Projekt … und ist hocherfreut. „Die Öffnung einer Mine wäre uns sehr willkommen. Das hier ist ein vollkommen deprimierender Landstrich. Die Bevölkerung kann nur von der Landwirtschaft leben, die ständig weniger Ertrag bringt. Die jungen Leute sind schon weggezogen. Die Schaffung fester Arbeitsstellen, auch wenn es nur wenige sind, wäre schön … solange der Umweltschutz gegeben ist und die rechtlichen Vorgaben eingehalten werden.“ 

Hier liegt das große Problem, denn Seltene Erden werden üblicherweise mit Säuren aus den Bohrlöchern gewaschen, der vergiftete Schlamm in künstlichen Teichen gelagert. Neben der Gefahr für das Grundwasser besteht ein permanentes Risiko für das Austreten von Radioaktivität, da viele Seltenerdmetalle radioaktive Substanzen enthalten. Laut Quantum soll das Vorkommen bei Torre de Juan Abad jedoch nur geringe Mengen radioaktiven Thuliums und nur Rückstände von Uranium enthalten. Außerdem wolle man die Seltenerdmetalle als Ganzes abtragen und erst später trennen, also den gefährlichsten Prozess nicht an Ort und Stelle durchführen. 

Kathryn Goodenough erklärte, die Herausforderung bestehe darin, den Abbau der Schwermetalle auf eine Art und Weise zu betreiben, die sowohl die Rentabilität des Vorhabens als auch den Schutz der Umwelt garantiere. Die Preise seien aufgrund wachsender Alternativen niedrig, die Investitionen hoch. Auf der anderen Seite würden viele Vorkommen an Metallen der Seltenen Erden nur eine geringe Radioaktivität aufweisen und keine großen Probleme bereiten. Anders sehe es aus bei einer Förderung an der Erdoberfläche, welche die Landschaft verschandele, viel Wasser benötige und große Mengen an Rückständen produziere, die dementsprechend behandelt werden müssten. 

Der kanadische Experte Ryan Castilloux bezeichnete das Vorhaben von Torre de Juan Abad als „vielversprechend“. Allerdings dürften aufgrund der langen Verfahrenswege noch Jahre vergehen, bis mit dem Abbau begonnen wird. 




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