Ein staatliches Fernsehen ohne Werbung


Regierung schlägt drastische Reduzierung der Spots vor

Überraschend kündigte Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero Mitte April Pläne zur Einführung eines gänzlich neuen Finanzierungsmodells der staatlichen Rundfunkanstalt RTVE an, die Fernseh- und Radiosender betreibt.

Madrid – Finanziert wird der gesamte Medienapparat durch öffentliche Gelder und Werbeeinnahmen, und zwar fast zu gleichen Teilen. Und genau das soll sich jetzt ändern. Hauptmerkmal der geplanten Änderung ist nach Worten Zapateros nämlich die „drastische Reduzierung“ der Werbung im Bereich öffentliches Fernsehen.

Der Ministerpräsident vermied es dabei zwar, genauere Angaben zu machen, in Parteikreisen ist jedoch die Rede von drei Minuten pro Stunde anstatt der derzeit erlaubten zehn Minuten Werbespots. Selbst eine gänzliche Abschaffung der Werbung im öffentlichen Fernsehen werde nicht mehr ausgeschlossen.

Dabei gilt es zu beachten, dass Spanien als einziges EU-Land keine Rundfunkgebühren erhebt. Bereits während der letzten Jahre ist die Werbezeit im öffentlichen Fernsehen stetig zurückgegangen. Seit Jahren schon fordern die privaten Fernsehsender ein Werbeverbot im öffentlichen Fernsehen. TVE betreibe unlauteren Wettbewerb, da es über zwei Einnahmequellen verfüge, wird unter anderem moniert.

TVE nahm im vergangenen Jahr 557 Millionen Euro dank der Werbung ein. Weitere 500 Millionen Euro erhielt die Fernsehanstalt aus staatlichen Kassen. Dennoch wurde das Jahr mit einem Defizit von 71,8 Millionen Euro abgeschlossen.

Unklar ist noch, aus welchen Quellen das Loch im Budget von TVE gestopft wird, sollte tatsächlich eine Reduzierung der Werbung oder sogar ein gänzliches Verbot eingeführt werden. Die 6.400 derzeitigen Arbeitsplätze sollen in jedem Fall erhalten bleiben, verspricht die Regierung in diesem Zusammenhang.




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