Ein Boxkampf: Zentralbanken und Politik gegen die Wirtschaft?


Ein Artikel von Ottmar Beck (Alltrust AG)

Stellen Sie sich die gegenwärtige Situation einmal als Boxkampf zwischen den strukturellen wirtschaftlichen Problemen und der Politik und den Zentralbanken vor.

In der einen Ecke haben wir die wirtschaftliche Realität einer strukturellen Wachstumsverlangsamung in China, die nicht enden wollende Schuldenkrise in Europa, wirtschaftliche Schwäche und Überschuldung der USA und zusätzlich noch die zukünftige „Fiscal Cliff“ in den USA. In der anderen Ecke stehen die Zentralbanken – hauptsächlich die Fed, Europäische Zentralbank (EZB), Bank von England, Schweizer Nationalbank, Bank von Japan und die People`s Bank of China –, die immer mehr Geld drucken, um die Welt aus dem wirtschaftlichen Tal zu holen. Die große Frage ist: Wer wird diesen Kampf gewinnen? Die Antwort wird uns auch die Frage beantworten: Wie sollten wir unser Geld anlegen?

Die ersten Runden

Der eigentliche Kampf begann 2007. Während dieser globalen Finanzkrise wurde das Wachstum der privaten Kredite unterbrochen. Dieses Kreditwachstum hatte über Jahrzehnte die Märkte beflügelt. Die Aktien- und teilweise auch die Immobilienmärkte befanden sich im freien Fall. Die erste Runde ging an die Bären. Im Herbst 2008 und im Winter 2009 kam die Antwort der Politik und der Zentralbanken. In den USA kamen TARP, noch größere Defizite der öffentlichen Haushalte und QE 1, und China löste ein massives finanzielles Stimulierungsprogramm aus. Die Märkte nahmen wieder Fahrt auf, und die globale Wirtschaft erholte sich. Runde zwei für die Bullen. Dann kam die Krise der Eurozone, die im Frühjahr 2010, als Griechenland kurz vor der Pleite stand, kumulierte. Die Aktienmärkte fielen in diesem Sommer um beinahe 20%. Dritte Runde für die Bären. Politiker und Zentralbanken reagierten wie immer in solchen Krisen: Europa bekam EFSF und SMP und in den Vereinigten Staaten kam QE 2. Im Anschluss erholten sich die Märkte. Wieder eine Runde für die Bullen. Im Frühjahr 2011 griff die Krise auf Spanien und Italien über, und in den Vereinigten Staaten verstärkte sich der wirtschaftliche Niedergang. Zusätzlich erlebten wir das Fiasko im Zusammenhang mit dem offiziellen Schuldenlimit der USA. Die Märkte nahmen im Sommer 2011 daher wieder ihre Talfahrt auf. Runde 5 ging an die Bären. Wieder agierten die Zentralbanken und Politiker in der ihnen eigenen Art: Die Fed kam mit „Operation Twist“ und die EZB lancierte LTRO. Und wieder reagierten die Märkte mit einer Aktienrallye im Winter 2011/2012. Diese Runde ging wieder an die Bullen. Im Frühjahr dieses Jahres sind die Märkte erneut gefallen, als die Eurozone wegen Spanien wieder ins Gerede kam und in Griechenland noch immer keine Lösung zu sehen war. Wieder fielen die Aktienmärkte weltweit. Diese Runde ging an die Bären. Dann – wie war es anders zu erwarten? – kreierte die EZB das Programm OMT, um mit unlimitierten Mitteln Anleihen der Peripherieländer kaufen zu können. Unlimitiert ist kein Wort, das Zentralbanker leicht­fertig in den Mund nehmen. Es war eine klare Ansage an die Märkte, dass die EZB alles tun würde, um die Europäische Union zusammenzuhalten. Zur selben Zeit hat die Fed das größte Anleiheankaufsprogramm aller Zeiten verkündet. Und wieder haben die Märkte mit Kurssteigerungen reagiert. Also geht diese Runde wieder an die Bullen.

Bis jetzt steht es also unentschieden, vier zu vier. Das Problem ist, dass die Einsätze mit jeder Runde höher werden. Die Probleme werden größer, und die Antworten von Politik und Zentralbanken werden immer wagemutiger und aggressiver.

Wer wird diesen Kampf gewinnen?

Das lässt sich jetzt noch nicht sagen. Aber wir wissen, dass viele Missstände und Fehlentwicklungen struktureller Natur sind. Die Zentralbanken und Politiker haben versucht, die Probleme über Jahrzehnte mit einer Erhöhung der Schulden zu bekämpfen. Das ist in meinen Augen keine Lösung. Es wird Jahre der ökonomischen Disziplin und des Sparens brauchen, um den Schuldenberg, der über Jahrzehnte aufgebaut wurde, abzubauen. In meinen Augen kaufen die Zentralbanken mit ihren Aktionen nur Zeit für die Politik, damit diese reagieren kann. Bisher reagiert sie allerdings zu langsam und mutet ihren Wählern nicht die Veränderungen zu, die nötig sind. Wie das Beispiel Griechenland zeigt, ist das Ende wirtschaftlich härter, als alles, was wir uns wahrscheinlich vorstellen können. In Griechenland ist zum Beispiel die ärztliche Behandlung für viele nicht mehr zu bezahlen, Pensionen und Renten werden – egal, welchen Betrag man zum Leben braucht – hemmungslos gekürzt, die Importpreise steigen ins Unermessliche, Staatsanleihen sind beinahe nichts mehr wert und die Preise für Sachanlagen fallen.

Wir können Ihnen als Anleger daher nur einen sinnvollen Rat geben: Sie müssen Ihr Vermögen im Rahmen Ihrer Möglichkeiten möglichst breit international streuen, um den K. o. der einen oder anderen Seite möglichst schadlos zu überstehen.

Mehr Informationen?

Haben Sie Interesse? – Dann wenden Sie sich unter der Telefon-Nr.: 922 575496 an Herrn Robert Burlon oder unter 0041 79 4207493 an Herrn Ottmar Beck.




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