Dummejungenstreich mit ernsten Konsequenzen


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Zwei Spanier in Lettland angeklagt, weil sie eine Landesfahne „mitgehen ließen“

Wie in einem Horrorfilm kamen sich zwei junge Spanier vor, die mehrere Wochen in Lettland festsaßen, weil sie dabei erwischt wurden, wie sie zusammen mit ihren fünf Reisekameraden aus Portugal eine Landesfahne als „Andenken“ mitnehmen wollten.

Riga – Nach einem vergnüglichen Abend in der lettischen Hauptstadt Riga, bei dem sicherlich reichlich Alkohol floss, sollen Miguel Ángel López Beltrán, 25, aus Huelva und Edén Galván Suárez, 23, aus Telde auf Gran Canaria zusammen mit ihren portugiesischen Freunden die Fahne von einer Stange auf der Straße genommen und „geschändet“ haben. Das jedenfalls behauptete die lettische Polizei, die die sieben jungen Leute umgehend festnahm.

Nachdem es zunächst noch den Anschein hatte, die lettische Justiz habe die Tatsache anerkannt, dass es sich hier ganz eindeutig um einen Dummejungenstreich gehandelt hat, zu dem sich die jungen Leute haben hinreißen lassen, rückte diese Möglichkeit nach einem Monat auf einmal wieder in weite Ferne. Die beiden Spanier waren zwar nach etwa zwei Wochen Gefängnis wieder auf freien Fuß gesetzt worden, durften Lettland jedoch bis zur Gerichtsverhandlung nicht verlassen.

Die Staatsanwaltschaft  klagte sie, ebenso wie zwei ihrer portugiesischen Freunde, nicht nur des „Diebstahls“, sondern auch der „Verunglimpfung der Nationalfahne“ an, ein Straftatbestand, auf den in Lettland Gefängnistrafen von bis zu sechs Jahren vorgesehen sind. Die Verhandlung sollte frühestens Anfang Herbst beginnen. Die jungen Leute hätten also nicht nur den ganzen Sommer in der lettischen Hauptstadt verbringen, sondern auch mit der Angst leben müssen, unter Umständen für mehrere Jahre ins Gefängnis zu kommen.

Der Fall hatte inzwischen auf oberster spanischer Ebene Aufmerksamkeit erregt. Außenminister Miguel Ángel Moratinos versicherte während seines kürzlichen Gran Canaria-Aufenthalts anlässlich der Eröffnung der Casa África, er werde alles was in seiner Macht steht unternehmen, um die beiden Spanier wieder „nach Hause“ zu bringen. Der Mutter von Edén Galván, Teresa Suárez, die ihn bei seinem Gran Canaria-Aufenthalt ansprach, versicherte er, er habe bereits mit seinem lettischen Amtskollegen über den Fall gesprochen. Dabei sei ausgemacht worden, dass versucht werden solle, den gerichtlichen Prozess soweit wie möglich zu beschleunigen.

Wenige Tage darauf hatten die Bemühungen des spanischen Außenministeriums Erfolg. Die beiden Spanier durften am 15. Juni überraschend ausreisen, müssen allerdings zu den Gerichtsverhandlungen nach Lettland zurückkehren.




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