Doppelte Messungen, doppelte Kosten


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Steuerverschwendung und Kompetenzgerangel

In verschiedenen Teilen Spaniens wird die Wetterlage doppelt gemessen – einmal zentralstaatlich und einmal regional verwaltet.

Madrid – Beispielsweise bei Girona in Katalonien lässt sich dieser Schildbürgerstreich beobachten. In der Ortschaft Sant Pau stehen die Masten zweier meteorologischer Messstationen nur ganze 40 Meter voneinander entfernt. Die Station des katalanischen Wetterdienstes (SMC) befindet sich dort seit 1995, die Station des staatlichen meteorologischen Dienstes Aemet wurde im Jahr 2009 errichtet. Oriol Puig, der Direktor des SMC, berichtet von elf Stationen, die in dieser Weise doppelt bestehen, jede bedeutet Investitionskosten in der Größenordnung von 200.000 Euro. Hinzu kommen die Kosten für Instandhaltung und Betrieb. Meist sei es die staatliche Aemet gewesen, die eine zweite Station an einen schon vorhandenen Standort stellte.

Der SMC beschäftigt 70 Mitarbeiter und kostet 5,5 Millionen Euro jährlich. Der Aemet hat landesweit 1.400 Angestellte und einen Jahreshaushalt von 98,5 Millionen Euro. Allein in Katalonien beschäftigt er 64 Mitarbeiter, die jedoch, im Gegensatz zum SMC, außer der Wetterbeobachtung auch Aufgaben in der Flugüberwachung wahrnehmen.

Alejandro Lamas, Sprecher des staatlichen Wetterdienstes, fordert, es dürfe nur einen Wetterdienst geben, nicht nur wegen der Kostenersparnis, sondern auch, um ein einheitliches Warnsystem zu haben, sowie wegen der internationalen Zusammenarbeit.

Auch in Galicien gibt es seit dem Jahr 2000 einen regioalen Wetterdienst, Meteogalicia. Er beschäftigt 25 Angestellte und unterhält 149 Wetterstationen. Wie in Katalonien stimmen auch in Galicien die von Meteogalicia ausgegebenen Wetterwarnungen nicht immer mit denen der staatlichen Aemet überein. Der Kontakt zwischen den Wetterdiensten ist gering, weil Aemet sich dagegen sperre, heißt es vonseiten der Galicier.

Auch das Baskenland unterhält einen eigenen Dienst. Euskalmet hat 40 Angestellte, 110 Wetterstationen und kostet die Autonome Region 2,5 Millionen Euro im Jahr.

Alle regionalen Wetterdienste nennen die Undurchsichtigkeit und Langsamkeit des Aemet als Hauptgrund dafür, einen eigenen Dienst zu unterhalten. Dickfellig würden sie sich zieren, den Universitäten Daten zur Verfügung zu stellen, und die Berichte seien nicht so detailliert wie die der regionalen Wetterdienste.

Auch wenn die Regierung die regionalen Wetterdienste gerne schließen würde, weil die Verfassung dem Staat die Zuständigkeit für diesen Bereich zuweist, tut sie sich schwer, denn Ähnliches steht auch in den regionalen Verfassungen. Bisher scheuen sich alle Beteiligten, dieses juristische Problem anzugehen.




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