Disziplin statt Dolce Vita


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Marktfokus von Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer der SJB FondsSkyline OHG 1989

Italien, die drittgrößte Volkswirtschaft Europas erfindet sich neu. Dafür hat Ministerpräsident Mario Monti dem Land ein umfangreiches Spar- und Reformpaket verordnet.

Die Maßnahmen werden bereits 2013 zu einem ausgeglichenen Haushalt führen. Laut EU wird sich Italiens Wirtschaft nach einem Minus von 1,3 Prozent in diesem im kommenden Jahr stabilisieren. Ab 2014 ist Wachstum in Sicht, das die Arbeitslosenquote von 10,8 Prozent reduziert. Helfen wird ein Konjunkturpaket von rund zehn Milliarden Euro. Ministerpräsident Monti weiß, dass er Wirtschaft und Gesellschaft Italiens viel zumutet. Die angestoßenen Reformen werden sich nach den Plänen der Regierung in drei, fünf oder zehn Jahren auszahlen. Bis dahin appelliert Monti an das Selbstwertgefühl der Italiener und die Besinnung auf die eigene Stärke. Und die steckt in der Substanz. Italien besitzt eine breitgefächerte Industriestruktur mit Unternehmen wie Fiat oder ENI. Gleichzeitig exis-tieren viele mittlere, innovative Unternehmen mit hoher Flexibilität. Zum Beispiel Parmalat, Ferrero oder Moleskine. Auch bei den Finanzen besitzt Italien unbekannte Stärken. Die Staatsverschuldung liegt bei 120 Prozent des BIP. In absoluten Zahlen sind das 1,897 Billionen Euro. Die privaten Haushalte sind gerade mal mit einem Anteil von 40 Prozent des BIP verschuldet. Nach Abzug der Schulden beläuft sich das private Geldvermögen auf 160 Prozent des BIP. Nur die Niederländer besitzen anteilig ein größeres Geldvermögen in Europa. Werden Sachwerte wie Immobilien hinzugerechnet, besitzen die privaten Haushalte Italiens ein Vermögen von 9,525 Billionen Euro, das Sechsfache des BIP. Auch der italienische Staat besitzt Mittel, die Verschuldung kraftvoll abzubauen. Die öffentliche Hand verfügt nach Angaben der Deutschen Bank über Unternehmensbeteiligungen im Wert von 80 bis 140 Milliarden Euro. Dazu kommen öffentliche Gebäude im Wert von 421 Milliarden Euro. Die Reformen der Regierung Monti sehen vor, aus diesem Topf zwischen 2012 und 2017 jährlich 20 Milliarden Euro an Privatisierungserlösen zu erzielen. Diese Summen und damit verbundene Strukturmaßnahmen können nach Einschätzung des IWF die Staatsverschuldung um bis zu sieben Prozentpunkte senken und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der italienischen Wirtschaft verbessern. Bis sich die Reformen durchsetzen, ist Italiens Börse noch durch eine schwache Konjunktur belastet. Über ein Jahr gab der MSCI Italy -18,40 Prozent auf Eurobasis ab. Das bringt Bewertungspotenzial. Das aktuelle KGV von 7,2x liegt deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 9,3x. Das KBV von 0,7x ist ein eindeutiges Indiz für die unterbewertete Substanz italienischer Aktien.

Fazit: Disziplin statt Dolce Vita. So soll Italiens Zukunft aussehen. Die kraftvollen Reformen werden Italiens wirtschaftlicher Substanz neue Stärke geben. Ein antizyklischer Aufholprozess ist eingeleitet. Jetzt erste Positionen aufbauen.

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