Diplomatische Meisterleistung


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Madrids Bürgermeister brachte in Wahlkampfzeiten González und Aznar an einen Tisch

Alberto Ruíz-Gallardón, der Bürgermeister von Madrid, hat eine diplomatische Meisterleistung vollbracht, die zuvor noch niemandem gelungen ist. In der heißesten Phase des Wahlkampfes brachte er zwei politische Dinosaurier an einen Tisch.

Madrid – Die beiden Expräsidenten Felipe González und José María Aznar teilten sich das Rednerpult.

Aufhänger für dieses ungewöhnliche Treffen war die Verleihung der Goldmedaille der Stadt Madrid an die beiden Persönlichkeiten, für ihre Verdienste um die Demokratisierung Spaniens. Zwei weitere verdiente Expräsidenten wurden ebenfalls mit der Goldmedaille ausgezeichnet:  der inzwischen verstorbene Leopoldo Calvo Sotelo wurde posthum geehrt. Adolfo Suárez, konnte aufgrund seiner Alzheimererkrankung bei dem Festakt nicht zugegen sein.

So waren lediglich González und Aznar persönlich bei der Veranstaltung anwesend, der Hunderte von relevanten Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben Madrids beiwohnten. Beide legten ihre unterschiedliche Sichtweise über die Politik und über Spanien dar.

Expräsident Aznar hielt einen Diskurs über Demokratie, der anfangs etwas abstrakt klang, der jedoch eindeutig durchblicken ließ, wie er das Spanien von heute betrachtet. Er zeigt auch die Gefahren auf, die es zu umschiffen gilt. „Niemals dürfen wir zulassen,  dass sich die Freiheit in leeren Archaismus verwandelt“, sagte er wörtlich. „Es gibt keine Demokratie ohne Nation. Aber es gibt spanische Demokratie, weil es eine spanische Nation gibt.“

Von der spanischen Nation sprach auch Felipe González, jedoch von einer völlig anderen Perspektive aus. „Es muss das Ziel der Regierenden sein, einen öffentlichen Raum zu schaffen, in dem alle Illusionen Platz haben. Man muss die Pluralität der Ideen im Auge behalten, die unterschiedlichen Empfindungen, die Identitäten und die große Zahl der Interessen“, erklärte er seinen Zuhörern. Zum „Handbuch“ von González für eine gute Regierung gehörte auch der Hinweis, dass man sowohl für den Bürger regiert, der einen gewählt, als auch für den, der für eine andere Partei gestimmt hat.

Aznar legte vor Felipe González seine Ansicht von der unüberschreitbaren Grenze der Macht dar. „Die Demokratie ist an Bedingungen geknüpft, wie etwa die Limitierung der Macht. Wenn dieses Limit überschritten wird, geht die Demokratie verloren.“

Dieser Festakt war für Bürgermeister Ruíz Gallardón eine einmalige Gelegenheit, sich mit den beiden Expräsidenten in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Er begrüßte sie mit einer Umarmung, die beim Sozialisten González allerdings etwas verkrampft ausfiel. Die ehemaligen Präsidenten beglückwünschten sich gegenseitig zur Auszeichnung mit der Goldmedaille der Stadt Madrid.




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