Diplomatie geht durch den Magen


Meisterkoch Mario Sandoval bei der Arbeit. Foto: Ministerio del Exterior

Renommierte Küchenchefs sollen im Außenministerium hochrangige Gäste mit „völkerverbindenden“ Kreationen bekochen

Madrid – In Abwandlung des alten Sprichwortes „Liebe geht durch den Magen“ hat das spanische Außenministerium damit begonnen, eine Art „gastronomischer Diplomatie“ zu etablieren. Der Grundgedanke ist, hochrangige ausländische Gäste des Ministeriums nicht mit den üblichen Delikatessen zu bewirten, sondern extra für den jeweiligen Besuch ein Menü kreieren zu lassen, das die spanische Küche mit der des Herkunftslandes des diplomatischen Besuchers harmonisch verschmelzen lässt. Hierfür werden spanische Spitzenköche gewonnen, die ihre kreativen Meisterleistungen ohne Honorar, um der küchenmeisterlichen und patriotischen Ehre willen, einbringen.

An der Idee der „gastronomischen Diplomatie“ wurde im Außenministerium schon seit Monaten gefeilt, denn die Umsetzung stieß auf verschiedene bürokratische, steuerliche und verwaltungstechnische Hürden. Nachdem diese überwunden waren, konnte das Konzept nun erstmals anlässlich des Besuchs des chinesischen Außenministers Wang Yi in die Tat umgesetzt werden. Dieser wurde von König Felipe VI. und von Präsident Mariano Rajoy empfangen. Im Anschluss gab er gemeinsam mit seinem Amtskollegen Datis eine Pressekonferenz.

Meisterkoch Mario Sandoval mit Minister Wang Yi im Bankettsaal. Foto: Ministerio del Exterior

Für das Bankett im Palacio de Viana, dem Amtssitz des Außenministeriums in Madrid, konnte der Meisterkoch Mario Sandoval gewonnen werden. Er ist Inhaber des Restaurants Coque in Madrid, Träger des Spanischen Gastronomiepreises 2013 und Zwei-Sterne-Koch.

Seine Idee einer „Fusion“ der chinesischen und der spanischen Küche beinhaltete unter anderem ein in China hochgeschätztes Garnelen-Gericht, das Sandoval mit typisch spanischem Sherry „hispanisierte“. Mit einem weiteren raffinierten Gang beschwor der Sternekoch die legendäre „Lackierte Pekingente“ aus dem Reich der Mitte, indem er eine „lackierte“ Variante des berühmten segovianischen Span­ferkels erfand.

Die Geste kam bei Wang Yi gut an. Der chinesische Staatsmann honorierte den kreativen und völkerverbindenden Einsatz des Meisterkochs mit einigen freundlichen Worten und einem persönlichen Händedruck.




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