Die Weihnachtslotterie: Träumen kostet ein Zehntellos


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Immer mehr Lose werden über das Internet verkauft

Als am 11.11. in Deutschland traditionell die „fünfte Jahreszeit“ begann, symbolisierte in Spanien die Vorstellung des diesjährigen Werbespots für die Weihnachtslotterie den Beginn der Weihnachtszeit.

Madrid – Was wäre Weihnachten in Spanien ohne die traditionsreiche Weihnachtslotterie, den „Sorteo Extraordinario de Navidad“, denn schließlich soll diese Verlosung die größte Lotterie der Welt sein. Jedenfalls ist die Begeisterung der Menschen dafür sicherlich die größte der Welt, denn jedes Jahr fiebern Millionen Spanier am Morgen des 22. Dezember der Ziehung der Gewinnzahlen entgegen. Seit Monaten schon können die Lose erworben werden, und es gibt nur wenige Spanier, die sich kein Los für diese wichtigste Ziehung im Jahr kaufen, und wer sich keines selbst kauft, bekommt es vom Chef oder der Familie geschenkt. Die „Lotería de Navidad“ lädt alle zum Träumen ein, obwohl sie nur wenige wirklich reich macht, denn auch wer ein Zehntellos des berühmten „dicken“ Hauptgewinns besitzt, bekommt dafür „nur“ 300.000 Euro.

Die Gewinnchancen stehen bei dieser Lotterie im Vergleich zu anderen Glücksspielen dafür recht hoch. Laut Miguel Córdoba Bueno, Dozent für angewandte Mathematik an der Universität CEU San Pablo in Madrid, verhalten sich die Gewinnwahrscheinlichkeiten folgendermaßen: 84,32% der Lose verlieren, 10% der Lose erhalten den Einsatz zurück und 5,68% gewinnen (bei der deutschen Lotterie sind es 1,9%). Die Gewinnchancen für den Hauptgewinn, den „Gordo“ liegen immerhin bei 1 zu 85.000.

Dieses Jahr macht sich ein neuer Trend bemerkbar. Wie die Zeitung „El Mundo“ berichtete, kaufen immer mehr Spanier ihre Lose über das Internet, anstatt sie bei den traditionellen Verkaufsstellen zu erwerben. Auch wenn die bekanntesten Verkaufsstellen „Doña Manolita“ in Madrid oder „La Bruja de Oro“ in Sort immer noch reichlich Kundschaft haben, entscheiden sich viele Kunden mittlerweile für das bequeme Einkaufen im Netz. Mit nur wenigen Klicks können sie das Los mit ihrer Wunschzahl auswählen und kaufen, ohne umständliche Wege nehmen zu müssen. Denn der Aberglaube spielt beim Loskauf für die Weihnachtslotterie eine große Rolle. So sind dieses Jahr zum Beispiel Lose mit der Nummer 11710 ein Renner – am 11. Juli 2010 gewann Spanien in Südafrika die Fußball-Weltmeisterschaft 2010. Aber auch das Datum des Papstbesuchs in Spanien verkauft sich als Losnummer gut. Und Fußballfans können ihr Glück auf die Nummer ihrer Spieler setzen, wie beispielsweise David Villa (00007) oder Andrés Iniesta (00006), der mit seinem Tor Spanien die Weltmeisterschaft sicherte.

Das Internet bietet auch Spätkäufern eine gute Alternative zum langen Anstehen an den Lotterieverkaufsstellen, wenn nur noch wenige Tage bis zur Verlosung fehlen und man ohnehin mit den Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt ist. Denn auch wenn es in letzter Minute ist, kaum ein Spanier will sich die Gelegenheit entgehen lassen, um ein Quantum Glück zu spielen. Die Erfahrung hat außerdem gezeigt, dass oft die kleinsten Nester die größten Gewinne absahnen, weil viele Einwohner Zehntellose mit derselben Nummer haben. Wer will da kein Los besitzen?

Immer mehr Ausländer werden Fans

Laut einer Umfrage des Internetportals Ventura24.es werden die meisten Spanier (74,1%) dieses Jahr mindestens ebenso viel Geld oder sogar mehr für den Loskauf ausgeben als im vergangenen Jahr. Trotz Krise werden die Spanier im Schnitt 61,2 Euro für die Weihnachtslotterie opfern. 23,2% der Befragten bekannten sich als Sparer und wollen weniger Geld für die „Lotería de Navidad“ ausgeben, während 2,7% gar nicht erst ihr Glück versuchen wollen.

Immer zahlreicher sind auch die Käufer aus dem Ausland, sowohl Ausländer, die in Spanien leben, als auch Touristen. In den letzten fünf Jahren hat sich die Zahl der an in Spanien wohnhafte Ausländer verkauften Lose verdoppelt, und es wird erwartet, dass 2010 immerhin 14% aller verkauften Lose an Nichtspanier gehen werden.

Im vergangenen Jahr gaben Spanier und Ausländer zusammen insgesamt rund 2,7 Milliarden Euro für die Weihnachtslotterie aus.

„An Weihnachten ist alles möglich, sogar dass uns die Göttin Fortuna besucht“, lautet der Slogan des diesjährigen Werbespots für die Weihnachtslotterie, der am 11. November vom Direktor des staatlichen Lotterieunternehmens, Gonzalo Fernández Rodríguez, vorgestellt wurde. Der unter der Leitung des deutschen Regisseurs Matthias Zentner gedrehte Spot lädt die Zuschauer zum Träumen ein, entführt sie in eine gold- und pastellfarbene Fantasiewelt, in der unter anderem Aschenputtel, der gestiefelte Kater und Peter Pan auftreten. Ein deutsches Model verkörpert die Glücksgöttin Fortuna, die am 22. Dezember 2010 über 2.320.500.000 Euro an Preisen verteilen wird.




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