Die verlorene Generation


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14% der jungen Spanier haben keinen Arbeitsplatz und studieren auch nicht

Sie studieren nicht, weil sie viel zu früh die Schule oder das Studium abgebrochen haben. Aber sie arbeiten auch nicht, weil sie keinen Arbeitsplatz finden.

Madrid – Spanien ist eines der Länder, wo die meisten jungen Menschen weder studieren noch arbeiten. Das geht aus einer Studie der Organisation für Kooperation und wirtschaftliche Entwicklung OECD hervor. In einer Liste von 19 Ländern der Europäischen Union und der Vereinigten Staaten liegt Spanien mit 14 % der jungen Menschen zwischen 16 und 24 Jahren, die in dieser Situation leben, an der viertletzten Stelle. Dahinter nur noch Italien, Slowenien und England mit jeweils 18 %. Spanien gehört zu den Ländern dieser Studie, wo das Problem besonders ausgeprägt ist. 5  % der Schüler landen nach der obligatorischen Schulausbildung in der Inaktivität und weitere 20 % in der Arbeitslosigkeit. Das führt dazu, dass sie fünf Jahre nach Verlassen der Schule noch in dieser Situation weiterleben, erklärt Glenda Quintini, eine der Autorinnen der Studie.

Zweite Chance

„Das größte Risiko der derzeitigen wirtschaftlichen Rezession ist, dass es immer mehr junge Menschen gibt, die sich in dieser Lage befinden. Ihnen eine zweite Chance für eine Ausbildung zu geben, wäre die beste Lösung.“

Um einer Situation entgegenzuwirken, die als »Effekt der verloren Generation« bezeichnet wird, haben einzelne Staaten verschiedene Aktionen eingeleitet. England will jedem  „inaktiven“ Jugendlichen einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz für den Zeitraum eines Jahres garantieren. Australien zahlt jeder Firma eine Subvention, die Lehrlingen oder Praktikanten Ausbildungsplätze zur Verfügung stellt.

Auch in Spanien will man das Problem jetzt in Angriff nehmen. Präsident José Luis Zapatero hat Oppositionsführer Mariano Rajoy einen Pakt im Erziehungswesen vorgeschlagen, der unter anderem eine grundlegende Reform der Berufsausbildung, der sogenannten Formación Profesional, beinhalten soll. Eine Grundvoraussetzung dafür, den jungen Menschen eine zweite Chance und eine Anschlussmöglichkeit an das Berufsleben zu bieten. Zu dieser Reform gehört auch der Plan gegen den vorzeitigen Schul­abbruch, an dem die Regierung und die verschiedenen Regionalregierungen beteiligt sind.

Anreize zur Wiederaufnahme des Studiums

Inzwischen wurde eine Aktion aufgenommen, die sich „Konvalidierung beruflicher Erfahrung“ nennt. Entsprechende Prüfungen sind bereits in Katalonien und auf den Balearen durchgeführt worden. Sie sollen junge Leute ohne Abschluss oder Titel dazu animieren, das Studium wieder aufzunehmen, wobei ihnen je nach Kenntnisstand ein Teil des Studienprogramms erlassen wird. Arbeiter und Angestellte von 18 bis 24 Jahren können eine Zuwendung beantragen, damit sie neben einer Teilzeitbeschäftigung ihre Studien beenden können.

Die schlechte Situation auf dem Arbeitsmarkt mit einer großen Zahl von Zeitverträgen führt in Spanien dazu, dass viele Menschen, insbesondere aus der jungen Generation, zwischen zwei Arbeitsverhältnissen über lange Zeiträume ohne Beschäftigung sind.




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