Die Urlauber meiden das Mar Menor


Ein Strand in La Manga. Foto: FELIPE ORTEGA (CC BY-SA 2.0)

Hoteliers fordern die Politiker zum Handeln auf

Murcia – Nachdem im Oktober ein Massensterben der im Mar Menor lebenden Fische und Krustentiere registriert werden musste – die verheerenden Folgen einer nicht kontrollierten Einleitung nitrathaltigen Wassers aus der Landwirtschaft und der Abwässer der Urlaubsorte – (das Wochenblatt berichtete), meldeten die lokalen Unternehmer des Tourismussektors in La Manga einen erheblichen Rückgang der Besucher.
Seit vielen Jahren wird das als Düngemittel in der Landwirtschaft verwendete Nitrat zusammen mit den Abwässern der umliegenden Urlaubsgebiete in das Binnengewässer gespült. Nitrat und Abwasser haben zu einer Nährstoffanreicherung des Wassers und damit zu einem schädlichen Wachstum von Algen und Bakterien geführt. Aufgrund dieses in der Wissenschaft „Eutrophierung“ genannten Prozesses ist der Sauerstoffgehalt des Wassers erheblich zurückgegangen. Die starken Unwetter von Mitte September beschleunigten diesen Prozess mit der Folge, dass Mitte Oktober ein Massensterben der im Mar Menor vorhandenen Fische und Krustentiere erfolgte. Die toten Tiere bedeckten eine Oberfläche von rund 210 Hektar.
Über die Umweltkatastrophe wurde auch im Ausland berichtet. Doch nicht nur die negativen Bilder und die Berichterstattung über eine jahrelange skrupellose Urbanisierung und Abwasserwirtschaft, sondern auch andere Gründe haben, wie La Opinión de Murcia berichtet, zu einem erheblichen Rückgang der Urlauberzahlen geführt. Demnach hatte die Vereinigung der Hotellerie-Unternehmer von Cartagena (Hostecar) schon lange auf einen Mangel an Infrastrukturen und eine entsprechende Vermarktung des touristischen Angebotes hingewiesen. Juan José López, Präsident von Hostecar, hatte gegenüber La Opinión de Murcia erklärt, die Hoteliers fühlten sich von den Behörden im Stich gelassen. Mittlerweile würden es die ausländischen Urlauber vorziehen, in die Türkei oder nach Tunesien zu reisen, die nationalen Touristen würden zunehmend nach Almería, Alicante und auf die Kanaren ausweichen. Nach einem Rückgang während der Hochsaison rechne man nun mit einem noch stärkeren Einbruch in der Nebensaison.
Der Vertreter der lokalen Tourismusunternehmen gab an, die Schließung des Flughafens San Javier, der sich näher bei dem Urlaubsgebiet befand, und die Eröffnung des neuen, entfernteren Flughafens Corvera im Januar (das Wochenblatt berichtete), habe sich ebenfalls negativ ausgewirkt. Der frühere Flughafen habe dem Mar Menor Urlauber gebracht, die nun den näheren bei Alicante wählen würden.
Hostecar forderte die Behörden auf, die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen, um die größte Salzwasserlagune Europas wieder zu sanieren. Es müsse ein nachhaltiges Tourismuskonzept entwickelt und umgesetzt werden.

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