Die Spuren der russischen Oligarchen

Die Superjacht „Aurora“ (r.) des Oligarchen Andrey Molchanov liegt im Trockendock des Hafens von Barcelona. Ob dieses Luxusschiff im Zuge der Sanktionen gegen Putin-nahe Oligarchen beschlagnahmt wird, ist noch nicht bekannt. Foto: EFE

Die Superjacht „Aurora“ (r.) des Oligarchen Andrey Molchanov liegt im Trockendock des Hafens von Barcelona. Ob dieses Luxusschiff im Zuge der Sanktionen gegen Putin-nahe Oligarchen beschlagnahmt wird, ist noch nicht bekannt. Foto: EFE

Megajachten, verschleierter Reichtum und Immobilienbesitz bilden die Fährte, die von der Costa del Sol bis nach Barcelona und auf die Balearen reicht

Marbella – In Marbella gibt es russische Zeitungen und Zeitschriften, einen russischen Radiosender und Verkaufsschilder für Immobilien in kyrillischer Schrift. Die russische Kolonie übersteigt die Zahl von 2.300 Personen, fast doppelt so viele wie in der Provinzhauptstadt. Die winzige Kolonie, die zum Beginn dieses Jahrhundert existierte, hat sich vervielfacht und teilt sich in zwei Gruppen. Auf der einen Seite Personen, die im Bausektor oder im Dienstleistungsgewerbe tätig sind. Auf der anderen die großen Vermögen, die Freizeitvergnügen und Luxus suchen und maßlos ihr Geld ausgeben, während ihre Jachten im Hafen von Banus ankern. Vier wöchentliche Flüge zwischen der Costa del Sol und Moskau sind ein Zeichen für die gute Gesundheit der wirtschaftlichen Beziehungen mit Russland.

Die Einstellung der Flugverbindungen – das letzte Flugzeug startete am Sonntag, dem 27. Februar – wegen der Sperrung des Luftraums, ist nur eins der zahlreichen Probleme, denen sich die russische Kolonie an der Küste Málagas gegenübersieht. Marbella ist Synonym für Lebensqualität, Sonne und ungezählte Möglichkeiten, um Geld auszugeben. „Das gefällt den Russen“, erklärte Elena Romanova, die 1996 nach Marbella kam und 2003 ein Immobilienbüro eröffnete, im Gespräch mit der Zeitung El País. Ihre Landsleute stellen rund 10% der Käufer für Luxus-Immobilien der Zone dar. Viele von ihnen leben das ganze Jahr über in Marbella, andere nur saisonweise. „Wir haben Kunden, die hier ihr Zuhause haben. Jetzt, wo Russland aus dem SWIFT ausgeschlossen wurde, weiß ich nicht, wie sie bezahlen können. Wie wird man dieses Desaster lösen können“, fragt sie sich.

Svetlana Ciliuta ist die Präsidentin des Verbandes Russischsprechender „Nash Dom“. Sie befürchtet, dass nun viele Familien Probleme bekommen werden. „Die Männer sind meistens geschäftlich unterwegs, und die Frauen und Kinder bleiben hier. Ein Lebensstil, der aufgrund der internationalen Sanktionen nun nicht mehr möglich ist. Auch neue Wohnungen können nicht mehr gekauft werden“. Sie meint damit das Verbot, dass europäische Banken Kapitalanlagen über 100.000 Euro von russischen Bürgern oder Unternehmen nicht akzeptieren dürfen. „Der russische Kunde hat es wegen der Abwertung des Rubel und der wirtschaftlichen Sanktionen besonders schwer“, erklärte der Vertreter einer Immobilienagentur.

Die Spuren des russischen Geldes an der Sonnenküste sind immer undurchsichtig. Wenn es schon beim legalen Geld äußerst komplex ist, zu erfahren, woher es kommt, scheint es bei illegalen Geldern schier unmöglich. „Die Anträge auf Information über Aktivitäten der Mafia bleiben von den russischen Autoritäten unbeantwortet – Zusammenarbeit gleich Null“, erklärt ein Sprecher der Polizei.

Barcelona ist eine der weltweiten Hauptstädte der Superjachten. Zwei Gesellschaften machen dort das Geschäft: Die Marina von Port Vell, wo Dutzende der größten Jachten liegen. Die Marina Barcelona 92 (MB92) beheimatet eine der weltweit größten Werften, welche diese Superjachten reparieren und warten kann. Hier werden während des Winters viele Schiffe von Milliardären auf Vordermann gebracht, um sie im Sommer zu nutzen. Aktuell liegt unter anderem die 140-Meter-Jacht „My Solaris“, die Roman Abramowitsch 600 Millionen Dollar gekostet hat und jährliche Unterhaltskosten von zwischen 50 und 60 Millionen Dollar verursacht, in der MB92-Werft. Auch die etwas „bescheidenere“ 85-Meter-Jacht im Wert von 140 Millionen Dollar (jährliche Unterhaltskosten zwischen 10 und 15 Millionen Dollar) des russischen Managers und engen Putin-Freundes Sergei Tschemesow liegt in der Werft in Barcelona.

Und auch die 74-Meter-Jacht „Aurora“ des Oligarchen Andrey Molchanov im Wert von 120 Millionen Dollar wird gerade im Trockendock von MB92 gewartet. Keines dieser Luxusschiffe fährt übrigens unter russischer Flagge. Die meisten fahren unter der Flagge der Bahamas oder der Caiman Islands. Und möglicherweise sind noch weitere Superjachten, die im Hafen von Barcelona liegen, auf Strohmänner zugelassen, die nach Recherchen zu weiterem russischem Kapital führen würden.

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