Die prekäre Lage des Arbeitsmarktes


Trotz verbesserter Wirtschaftsdaten werden weiterhin Stellen zerstört

Dem offen zutage getragenen Optimismus der politischen Führungsriege zum Trotz belegen die neuesten Zahlen des zuständigen Ministeriums, dass weiterhin mehr Arbeitsplätze zerstört als geschaffen werden. Im Januar stieg die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen erneut auf 4,8 Millionen an.

Madrid – Anfang Februar gab das Arbeitsministerium bekannt, dass zwischen Dezember und Januar – einem üblicherweise schlechten Monat für den Arbeitsmarkt – die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen um 113.000 bzw. 2,4% auf über 4,8 Millionen gestiegen ist. Die Zahl der Sozialversicherten ging um 184.000 bzw. 1,1% Personen auf 16,1 Millionen, den niedrigsten Stand seit April 2002 und Februar 2012 zurück. Allerdings konnte das Arbeitsministerium zumindest eine gute Nachricht bekannt geben: im Dezember-Januar-Vergleich handelt es sich um den geringsten Verlust von Sozialversicherten seit 2007.

Zwischen Januar 2013 und Januar 2014 ging die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen von 4,98 auf 4,81 Millionen bzw. um 3,3% zurück. Darüber hinaus ergibt der Jahresvergleich, dass die Zahl der Sozialversicherten um 5.800 bzw. 0,04% gestiegen ist, sich die Zerstörung von Arbeitsplätzen also abgeschwächt hat, was nach sechs Jahren kontinuierlichem Abbau nicht ungewöhnlich ist. Insbesondere seit September stieg die Zahl der Sozialversicherten wieder kontinuierlich an.

Schlechter Januar

Im Januar sank die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen nur im Baugewerbe (-3.500 bzw. 0,5%), in allen übrigen Wirtschaftszweigen war der Trend ansteigend. So wurde im Dienstleistungssektor ein Zuwachs von 100.000 Beschäftigungslosen (+3,3%), in der Landwirtschaft von 8.000 (+4%) und in der Industrie von 3.600 (+0,7%) registriert. Die Zahl der gemeldeten Neulinge auf dem Arbeitsmarkt ohne vorherige Beschäftigung stieg um immerhin 5.400 Personen (+1,4%).

Im regionalen Vergleich ging die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen nur auf den Balearen zurück (-0,5%).

Kritik am Krisenmanagement der Regierung

Angesichts des Rückganges der sozialversicherten Beamten und öffentlichen Angestellten um fast 17.000 innerhalb eines Monats auf knapp unter 3 Millionen prangerte die Gewerkschaft CSI-F an, die öffentliche Verwaltung würde bestehenden Personalmangel – insbesondere im Gesundheits- und Bildungswesen – nur mit zeitlich befristeten, vertraglich schlecht abgesicherten Stellen besetzen.

Die Gewerkschaft UGT erklärte, die jüngsten Zahlen widersprächen dem Optimismus der Politiker. „Ohne Wandel in der Wirtschafts- und Arbeitspolitik wird es keinen Aufschwung geben,“ fürchten die Vertreter  von UGT, die auch in der zunehmenden Zahl der befristeten Arbeitsverträge – im Januar betrug deren Anteil über 90% – eine Bedrohung sehen. Darüber hinaus würde die Regierung auf geringe Löhne setzen, um das Arbeitsproblem in den Griff zu bekommen, doch neben den Kürzungen bei der Arbeitslosenunterstützung würde dies für noch mehr Menschen mit einer Zunahme des gesellschaftlichen Ausschlusses enden.

Dem Argument, zeitlich befristete Stellen und geringe Löhne würden die Arbeitslosigkeit langfristig nicht senken, schloss sich die Gewerkschaft CC.OO. an, die außerdem anführte, dass fast 40% der Arbeitslosen keine staatliche Unterstützung mehr beziehen würden.

Die Arbeitgebervertretung USO wies darauf hin, dass bei weiterhin sinkender Zahl von Sozialversicherten das System nicht haltbar sei.




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