„Die Leiter“ oder wie investiere ich in festverzinsliche Wertpapiere?


Ein Artikel von Ottmar Beck (Alltrust AG)

Bei festverzinslichen Wertpapieren gilt es grundsätzlich, drei Risiken zu beachten: das Zinsänderungsrisiko, das Emittentenrisiko bzw. Schuldnerrisiko und das Währungsrisiko. In vielen Fällen konzentriert sich der Anleger ausschließlich auf das Zinsänderungs- und Emittentenrisiko und nimmt das Währungsrisiko als gegeben hin.

Doch eigentlich sollten diese grundverschiedenen Entscheidungen getrennt voneinander gefällt werden. Wir werden uns im Folgenden auf die Anlage in festverzinslichen Wertpapieren, die auf Euro lauten, konzentrieren und daher auf das Währungsrisiko nicht eingehen.

Die Kurse von Anleihen reagieren auf Änderungen des Zinsniveaus. Steigen zum Beispiel die Zinsen, dann sinken die Kurse der Anleihen, da die dann bereits aufgelegten Anleihen vergleichsweise unattraktiv verzinst werden. Um mit einem aktiven Portfoliomanagement eine Überrendite zu erzielen, ist also eine zuverlässige Zinsprognose unabdingbar. Daher sind an den Finanzmärkten Zinsprognosen besonders beliebt.

Die Zukunft zu prognostizieren ist aber schwie­rig, im Grunde genommen unmöglich. Eine Studie von Markus Spiwoks, Finanzmarktforscher an der deutschen Fachhochschule Wolfsburg, weist nach, dass es zuverlässige Prognosen nicht gibt. Schlimmer noch, die Prognosen schaden mehr, als sie nützen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben leider bewiesen, dass, wer auf die Experten hörte und seine Entscheidungen auf ihre Vorhersagen der Zinsentwicklung stützte, schlechter gefahren ist, als derjenige, der von einem unveränderten Zinsniveau ausging.

„Leiter-Prinzip“

Die beste Strategie für Sie, ein Rentendepot anzulegen, ist in meinen Augen daher das „Leiter-Prinzip“. Sie legen das zu investierende Geld zu jeweils einem Zehntel in Laufzeiten von einem bis zehn Jahren an. Damit verteilen Sie den Anlagebetrag über die ganze Zinskurve als defensive Strategie. Auf diese Weise erhalten Sie jedes Jahr eine Verkürzung des Portfolios von einem Jahr. Somit kaufen Sie jedes Jahr eine neue zehnjährige Anleihe, die im Normalfall ein höheres Zinsniveau als jene mit kürzeren Laufzeiten hat. Steigen die Zinsen, erhalten Sie jedes Jahr einen höheren Zinssatz. Sollten die Zinsen fallen, wird der Zins natürlich niedriger ausfallen, aber Sie profitieren mit dem Rest Ihrer Anlagen von den früheren hohen Zinsen. Auf diese Weise erhalten Sie über Jahre eine ausgeglichene Verzinsung Ihrer festverzinslichen Anlagen.

Schuldnerrisiko

Einen höheren Ertrag gegenüber einer Bundesanleihe erhalten Sie über das Schuldnerrisiko. Unter Schuldnerrisiko versteht man, dass der Schuldner während der Laufzeit der Anleihe die Rückzahlung des geschuldeten Betrages nicht mehr aufbringen kann. Sehen wir uns ein Beispiel an: Wenn Sie eine Staatsanleihe der Bundesrepublik Deutschland mit der Fälligkeit 4.7.2015 kaufen, erhalten Sie eine Rendite von 4,1 % pro Jahr. Investieren Sie Ihr Geld in eine Anleihe der russischen Erdöl-Firma Gazprom erhalten Sie bis zum 1.6.2015 eine Rendite von 8,45 % pro Jahr. Diese höhere Rendite von 4,35 % pro Jahr begründet sich damit, dass der Käufer dieser Anleihe damit rechnen muss, dass der Schuldner die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Je höher das Ausfallrisiko einer Anleihe, desto höher ist die Rendite. Daher ist es besonders wichtig, eine ausreichend große Anzahl von verschiedenen Schuldnern im Portfolio zu haben. In regelmäßigen Zeitabständen muss der Anleger dann auch die Schuldner der festverzinslichen Wertpapiere, in die er investiert hat, auf deren wirtschaftliche Entwicklung und deren politisches Umfeld überprüfen.

Mehr Informationen?

Am 14. November 2008 findet für unsere geladenen Gäste in Puerto de la Cruz im Hotel Garoe ein privater Vortrag statt. Haben Sie Interesse? Dann wenden Sie sich unter der Telefon-Nr.: 922 575496 an Herrn Robert Burlon.




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