Die Krise verstärkt das steuerliche Ungleichgewicht zwischen den Regionen


Höhere Einkommen zahlen in Katalonien mehr Steuern als in Madrid

Die von der Regierung beschlossene Erhöhung der Einkommensteuer hat den Unterschied der steuerlichen Belastung zwischen den verschiedenen autonomen Regionen weiter vertieft.

Madrid – Ob es um die Steuer für Löhne und Gehälter, den Kauf eines Hauses oder Tankfüllung des Autos geht, die Kosten variieren von einer Region zur anderen. Ein Jahreseinkommen von 700.000 Euro kostet in Katalonien 15.000 Euro mehr an Einkommensteuer als beispielsweise in Madrid.

Die schwere Finanzkrise hat dazu geführt, dass ein Teil der autonomen Regierungen die Steuern erhöht haben, um ihr Defizit zu reduzieren, während andere sich noch zurückhalten. Katalonien hat die höchste Einkommensteuer in Spanien. Der Prozentsatz erreicht 56% für die höchsten Einkommen während der Höchstsatz in Madrid bei 51,9% liegt.

Das Direktionsmitglied eines Ibex-Unternehmens mit einem Jahreseinkommen von 700.000 Euro zahlt nach der letzten Erhöhung durch die Regierung Rajoy rund 320.000 Euro Einkommensteuer. In Katalonien, wo die Regierung ihrerseits die Steuer bereits um vier Prozent angehoben hat, würde für das gleiche Einkommen 335.000 Euro Einkommensteuer erhoben, also 15.000 Euro mehr.

Die Differenzen machen sich jedoch auch bei anderen Abgaben bemerkbar, wie beispielsweise die Transmissionssteuer für den Kauf einer Immobilie aus zweiter Hand. Die meisten autonomen Regierungen kassieren nach wie vor 7%. Andere haben die Anhebung der Mehrwertsteuer vor einigen Jahren zum Anlass genommen, die anfallende Steuer beim Kauf einer Neubau-Immobilie von 7% auf 8% zu erhöhen. In Katalonien beläuft sie sich auf 8%. Andalusien, Aragonien und Extremadura sind noch einen Schritt weitergegangen und haben verschiedene Stufen, abhängig vom Preis der Immobilie festgelegt. In Kantabrien zum Beispiel muss für Objekte, die mehr als 300.000 Euro kosten, 10% Steuer entrichtet werden.

Wer in Andalusien eine gebrauchte Wohnung im Wert von 150.000 Euro kauft, zahlt dafür 12.000 Euro Grunderwerbsteuer. In Galicien, Madrid oder La Rioja kostet das gleiche Objekt 10.500 Euro an Steuern.

Auch bei der notariellen Eintragung von Hypotheken oder anderen notariellen Akten wie die Eröffnung und Eintragung von Firmen werden unterschiedliche Steuern erhoben. Katalonien hat diese Steuern von 1,2 auf 1,5% des Wertes erhöht, der höchste Satz in ganz Spanien. Wer beispielsweise eine Hypothek in Höhe von 200.000 Euro notariell in Katalonien eintragen lässt, zahlt 3.000 Euro an den Fiskus. In den meisten anderen Regionen würde derselbe notarielle Akt lediglich 2.000 Euro kosten.

Allgemein betrachtet sind diese Abgaben in Katalonien, Andalusien und Extremadura am höchsten, während sie in Madrid und Murcia am niedrigsten sind.

Valencia, die am meisten verschuldete Regionalregierung, gehörte bislang zu der Gruppe mit den geringeren Abgaben. Jetzt hat sie den Höchstsatz bei der Einkommensteuer von 52 auf 54% erhöht. Der kürzlich neu ernannte Präsident Alberto Fabra hat inzwischen Hand an die Treibstoffsteuer gelegt und diesen Zuschlag, den die Regionalregierungen erheben können, verdoppelt auf 4,2 Cent pro Liter. Unverständlicherweise hat Präsident Fabra zwar die Einkommens- und die Treibstoffsteuer angehoben, weigert sich jedoch, die Vermögenssteuer wieder einzuführen.




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