Die Krise hat Restrukturierung des Bankensektors bewirkt

Die Ursache des Sturzes einer Palme auf ein parkendes Auto in der Avenida Bélgica wurde untersucht. Foto: Policia Local de Santa Cruz

Die Ursache des Sturzes einer Palme auf ein parkendes Auto in der Avenida Bélgica wurde untersucht. Foto: Policia Local de Santa Cruz

Die Nationalbank hat die Folgen der Krise auf den Finanzsektor analysiert

Madrid – Die Spanische Nationalbank bestätigt in ihrem jüngsten Jahresbericht, dass der Bankensektor nach der schweren Finanzkrise an Zahlungsfähigkeit und an Wirtschaftlichkeit hinzugewonnen hat. Allerdings ermahnt das nationale Geldinstitut, den Verkauf der toxischen Aktiva zu beschleunigen. Weiterhin heben die Experten hervor, dass sich über 80% des Bankgeschäftes auf nur fünf Bankengruppen konzentriert.

In dem Bericht wird festgehalten, dass der spanische Sektor eine bedeutende Restrukturierung erlebt hat. Demnach ist die Zahl der Finanzinstitute von 122 im Jahr 2007 auf 65 im Jahr 2017 zurückgegangen. Die Zahl der Filialen nahm um 40%, die Zahl der Angestellten um 32% ab. Allerdings sind die Betriebskosten nur um 15% gesunken, die Umsätze jedoch um 30% eingebrochen. Das beweise, dass die Banken nicht an Effizienz dazugewonnen hätten, so die Nationalbank.

Als zukünftige Risiken hob das Nationale Geldinstitut die mangelnde Wirtschaftlichkeit und das enorme Volumen an unproduktiven Aktiva, die sich in den Bilanzen halten, hervor. Bei gleichbleibendem Abbau solle sich bis Ende 2020 kaum etwas geändert haben, so der Bericht. Nach Ansicht der Experten des Nationalen Geldinstituts führt das Halten problematischer Aktiva über einen langen Zeitraum zu weiteren Problemen. „Es werden Arbeitskräfte und Material für deren Verwaltung benötigt, was verhindert, dass diese Kräfte woanders eingesetzt werden, beispielsweise zum Abschluss neuer Darlehensverträge. Auch führt der erhöhte Bestand dieser Aktiva zu Unsicherheit über die Qualität und Bewertung der Gesamtaktiva der Bank, womit sich ihre Eigenfinanzierung verteuern könnte.“

Aus dem Jahresbericht geht ebenfalls hervor, dass viele Schuldner bemüht seien, ihre Verspätung bei der Tilgung der Darlehen abzubauen. Dies sei insbesondere bei Bauunternehmen und Immobilienagenturen gegeben. Und trotzdem sei die Versäumnisrate beim Bau- und Immobiliensektor mit knapp 20% immer noch viel zu hoch.

Bei den Verbraucherkrediten will die Nationalbank in jüngster Zeit sogar eine leichte Zunahme beim Verzug beobachtet haben. Die Experten befürchten, dass einige Finanzinstitute das Geschäft des früheren Bau- und Immobilienbooms nun bei den Verbraucherkrediten wittern.

Die Eigenkapitalrentabilität ist laut Auskunft des Nationalen Geldinstituts weiterhin äußerst gering. Die Aktienkurse der spanischen Banken, aber auch der Banken anderer EU-Mitgliedsstaaten, würden die Unsicherheit der Anleger hinsichtlich der Entwicklung des Bankengeschäftes widerspiegeln, heißt es in dem Bericht.

Die unter Vorkrisenniveau liegende Wirtschaftlichkeit wird mit den Folgen des hohen Verzugs, der abgebremsten lokalen Wirtschaftsaktivität und den geringen Zinsen begründet.

Das Auslandsgeschäft vieler spanischer Banken habe diesen jedoch geholfen, die schweren Folgen der Krise besser zu bewältigen als andere Banken in den EU-Mitgliedsländern.

Der Bericht der Spanischen Nationalbank schließt mit den großen Herausforderungen der kommenden Zeit ab, insbesondere dem aufgrund der Neuen Technologien veränderten Wettbewerb. In bestimmten Segmenten werde es mehr Konkurrenz geben, die Nachfrage würde sich verändern, die Produkte der Banken anders an den Kunden gebracht. Die Finanzinstitute müssten vorausschauend handeln und sich anpassen, rät die Nationalbank abschließend.




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