Die Königliche Tapisserie-Manufaktur geht neue Wege


In der „Real Fábrica de Tapices“ wird heute noch, wie anno dazumal, von Hand gearbeitet. Foto: EFE

Nach Verlusten von 70% des Auftragsvolumens soll die Erschließung neuer Geschäftsfelder und Absatzmärkte Entlassungen vermeiden

Madrid – Das Weiterbestehen der traditionsreichen Königlichen Gobelin-Manufaktur, deren Ursprünge bis in das frühe 18. Jahrhundert zurückreichen und deren Entwürfe von einigen der großen Künstler der Epoche stammen, ist gefährdet. Einbrüche bei den Absatzmärkten und die Sparpolitik der öffentlichen Haushalte haben die altehrwürdige Tapisserie-Werkstatt an den Rand des Bankrotts gebracht.

Die im Zentrum von Madrid gelegene Königliche Tapisserie-Manufaktur hat im Laufe ihrer Existenz Höhen und Tiefen erlebt. In den vergangenen Jahrhunderten ebenso wie heute noch ist sie die einzige Fabrik dieser Art in Spanien. Die Archive des alten Gebäudes erzählen aus dreihundert Jahren spanischer Geschichte.

Die „Real Fábrica de Tapices“ wurde im Jahre 1721 begründet, um die Paläste des Hauses Bourbon mit handgewebten Gobelins und Teppichen auszustatten. Damals ernannte König Phillip V. den damals weltbekannten Meister der Webkunst, Jacob Van der Goten aus Flandern, zum Leiter der Manufaktur. Bereits drei Jahre später hatte die Familie Van der Goten die Manufaktur zu weltweiter Berühmtheit gebracht.

Unter der Herrschaft von Karl III. fertigten renommierte Künstler wie Francisco de Goya die Entwürfe der prächtigen Teppiche und Wandbehänge an, die schon damals in die ganze Welt verschickt wurden.

Mit Beginn der zweiten spanischen Republik (1931) verlor die Manufaktur die Unterstützung des Königshauses, und die Belegschaft schrumpfte von 150 auf rund 50 Wirker und Weber zusammen. Vor zwölf Jahren dann wurde eine Stiftung ins Leben gerufen, um die königliche Teppichfabrik vor dem endgültigen Aus zu bewahren.

Dennoch ließ sich nicht verhindern, dass es in den letzten Jahren aufgrund der Austeritätspolitik zu einem Rückgang des Auftragsvolumens um 70 Prozent kam. Mangels staatlicher Unterstützung steht die traditionsreiche Fabrik kurz davor, ihre Tore schließen zu müssen, denn es sind sechs Millionen Euro Schulden an Gehältern, Sozialabgaben, Lieferanten und Nebenkosten aufgelaufen. Selbst die weitere Stromversorgung der Werkstätten steht infrage.

Doch unter der Schirmherrschaft der Provinzregierung, der Stadtverwaltung von Madrid und des spanischen Kultusministeriums soll die Königliche Tapisserie-Manufaktur nun wieder im alten Glanz erstrahlen. Ein Sanierungskonzept, in dessen Rahmen eine Finanzierung mit den Banken ausgearbeitet werden soll, wurde aufgelegt. Darüber hinaus sollen verstärkt Dienstleistungen wie die Restaurierung und Reinigung antiker Gobelins und Wirkwaren angeboten werden und weitere internationale Märkte, insbesondere im Mittleren Osten, England und den USA für die hochwertigen Tapisserie-Produkte der Madrider Weber erschlossen werden.

Außerdem können die Räumlichkeiten der Königlichen Tapisserie-Manufaktur, weit über achttausend Quadratmeter im Herzen von Madrid, genutzt werden, um weitere Einnahmen zu generieren. Unter anderem sollen kulturelle Veranstaltungen und Wanderausstellungen in den durch die Produktion nicht beanspruchten Hallen stattfinden. Auch wird man in den Werkstätten der Manufaktur wieder Ausbildungsprogramme anbieten, damit das jahrhundertealte Handwerk nicht ausstirbt.

Auch an der Modernisierung der Arbeits-, Reinigungs- und Restaurierungstechniken wird gearbeitet. Dazu gehört die Entwicklung einer Imprägnierung zur Vorbeugung gegen Bakterienbefall mit Substanzen, welche das Wollmaterial und die Stoffe nicht beschädigen, und die Teppiche länger haltbar machen.

Die Königliche Tapisserie-Manufaktur in Madrid kann besichtigt werden und ist montags bis freitags von zehn bis vierzehn Uhr für den Publikumsverkehr geöffnet.




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